Bagger

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 1
der. Eine in neuerer Zeit zu immer größerer Bedeutung gelangte Vor rich tung zum Au chöpfen von Schlick, Sand, Erde aus dem Wa er. Ursprünglich ein höchst einfaches Werkzeug, ähnlich einem Obstpflücker oder einem Klingelbeutel: an einem langen Stiel ein Ring mit einem Säckchen daran. Dieses Säckchen hieß im Niederdeutschen bag, wie noch heute im Englischen Bag einen Sack, Reisesack, Geldsack, Kornsack bedeutet. Man hat sogar heute noch in England die alte einfache Vor rich tung: „bag and spoon‟, „an arrangement used in dredging for river sand, and consisting of a bag attached by the mouth to an iron hoop which is fastened to a long pole, by means of which it is sunk to the bottom of the river and dragged along so that the bag is filled.‟ Auch in Deutschland hat man in kleinen Verhältni en noch immer etwas Ähnliches im Gebrauch. Das Ende des 18. Jahrhunderts erschienene sogenannte „Bremer Wörterbuch‟ übersetzt Bagger mit „mudder-hamen‟ und bemerkt dazu: „Ein eiserner Ring, woran ein Netzbeutel befestigt ist, mittelst de en man den Schlamm aus den Wa erlösen, Wetterungen und Sielgräben ziehet;‟ wobei die Frage entsteht, was ein Netzbeutel sei, ein Netz, oder ein Beutel?  —  Auch in Holland gebraucht man dieses einfache Werkzeug noch; Halbert sma im Lexikon friesicum übersetzt baggern mit: „ret i vel sacco ex pan no cannabino ext remit at i gracilis conti (Stange) affixo coenum trahere e fun do aquae‟, wobei sich auch wieder die unbegreifliche Unbestimmtheit ret i vel sacco findet, da der Stoff doch mit ex pan no cannabino deutlich genug bestimmt ist als aus Leinwand bestehend. Also kein Netz, sondern ein Sack, nie der deutsch bag; daher Bagger. Zuweilen wird der durch den Bagger zu Tage geförderte Schlamm, Mud, Mudder oder Schlick (s. d.) auch Bagger genannt. Das mag man als Abkürzung von Baggerschlamm (Groningen: bagger-cerde, bagger-modder) oder Bagger-Erde gelten la en, wie ja im Ostfriesischen auch der baggel-turf kurzweg baggel heißt, aber darum hätten sich deutsche Sprachforscher doch nicht zu der Behauptung verste i gen dürfen, Bagger käme daher, daß man den Bagger vom Me eres grund herausbefördere. Das ist eine völlige Umkehrung der Tatsache, denn die geförderte Ma e ist nach dem fördernden Werkzeug benannt. Das hieß, wie gesagt, ursprünglich Bag. Die dam it ausgeübte Tätigkeit hieß baggern. Als nun später der Ursprung von baggern aus Bag dem Bewußtsein entschwunden war, und der nie der deutsche Name Bag nicht ver standen ward von hochdeutschen Wa erbaumeistern, aber doch das Bedürfnis nach einem Namen für das inzwischen zur Maschine herangewachsene Werkzeug sich einstellte, so kehrte man nicht etwa zu dem ursprünglichen Bag zurück, sondern bildete aus dem, aus dem Subs tanti vum Bag entstandenen Zeitwort baggern ein neues Subs tanti vum Bagger. Diese Neubildung ist wenigstens noch einigermaßen kurz und gut ausgefallen; was hätte werden können, vermögen wir zu ahnen, wenn wir lesen, daß in einer wis sens chaft lichen Zeitschrift jemand dem das Wort Bagger fern lag, den Vorschlag machen konnte, das holländische Wort modder-molen mit Au chlammungsmaschine zu übersetzen.  —  Das Etymon von Bag ist Balg, Tierbalg, vergl. Balje, Bagienrahe, Bilge, Packet damp fer.
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