Messe
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 6
die, ist der Raum eines Schiffes, in dem die zu einer solchen Me e Vereinigten sich, be sonders zum Zwecke der gemeinschaft lichen Einnahme der Mahlzeiten, zu versammeln pflegen, weshalb auch nicht nur der Raum, sondern auch die Gemeinschaft derer die darinnen heimatberechtigt sind, Me e heißt. Man spricht von einer Of fiz i erm e e, einer Kadettenme e, einer Deck of fiz i erm e e. Macht das Offizierkorps eines Schiffes Be such, so wird eine Karte abgegeben: „Die Of fiz i erm e e S. M. S.‟... Ein Mitglied der Me e wird zum Me evorstand erwählt. Nicht als ob dieser dann den Vorsitz bei Tische zu führen hätte, der steht auf Krieg chiffen stets dem I. Offizier zu, er hat vielmehr die Verwaltung des gemeinschaft lichen Vermögens, die Beschaffung der Vorräte, überhaupt die ganze Verpflegung unter sich. Zum E en gehört das Trinken. Daher wird ein and eres Mitglied der Me e beauftragt, die nötigen Getränke zu beschaffen und zu verwalten; das ist der We in vor stand oder Vorstand der Weinme e. — In den Garnisonen des Königreichs Hannover hatten die Offiziere von der Verb in dung mit England her ihre Me en. Sonst ist das Wort, wie es scheint, in Deutschland auf die Seemann prache beschränkt geblieben. — An Erklärungen fehlt es nicht. Es gibt deren eher zu viele als zu wenige. 1. Von vornherein als ausgeschlo en zu betrachten ist der Gedanke an den katholischen Cultus und seine Me e; wenigstens in Bezug auf die landläufige Deutung dieses Wortes, nach der es von dem Zuruf des Priest ers an diejenigen, welche nicht berechtigt waren an dem Hauptstück des Gottesdienstes teilzunehmen: „ite, mi a est concio!‟ kommen soll. 2. Weil bei Kirchme en zahlreiche Andächtige zusammenkamen, so fanden sich auch Leute ein, die etwas zu verkaufen oder zur Schau zu stellen hatten. So ent stand ein Markt, der Me e genannt ward und diesen Namen behielt als die Kirchme e wegfiel; Frankfurter Me e, Leipziger Me e. Daß auch hiermit, trotz des „Zusammenkommens‟ der Leute, unsere Me e nichts zu tun hat, liegt auf der Hand. 3. Weit eher könnte man an Herkunft von dem late in is chen mensa, der Tisch, denken, weil die Hauptsache bei der Me e in der Tat der gemeinsame „Tisch‟ ist. Wirklich heißt im Go this chen der Tisch auch mes; man könnte auch das spanische meza zu Hilfe nehmen. Diese Deutung wäre denkbar auch für den Fall, daß die ältesten Me en gar keine Tische gehabt hätten, da das gotische mes nicht nur Tisch, sondern auch Schü el heißt. Aber es fehlen für das Wort die Zwischenglieder vom Got is chen zum Niederdeutschen, und hier ist Me e doch au chließlich heimisch. — Zeugni e für die Herkunft aus dem Span is chen liegen nicht vor, im Gegenteil, das Wort ist im niederdeutschen Sprachgebiete gezeugt, ehe Spanien in Betracht kam. Überhaupt dürfen wir nicht in die Ferne schweifen, solange eine näherliegende Erklärung im Deutschen sich darbietet. Aus diesem Grunde muß auch 4. Eine Deutung aus dem Französischen beanstandet werden, nach der das Wort Me e von mets, altfranzösisch mes kommen soll. Diese beiden heißen „Gericht, Speise‟, nämlich im Sinne von „Auf get rag enes‟, (aus der Küche in den Speises aal) „Geschicktes‟, von mit to ich schicke. Die ziemlich alte Schreibung mets für mes erklärt Dietz für eine etymologische, um das Wort an das Zeitwort mettre zu knüpfen. 5. Man könnte auch an das althochdeutsche ma enie, me eni denken, welches Hofstaat, Gefolge eines Fürsten bedeutet, so daß die Me e als „Stab‟ des Kommandanten gedacht wäre. Dieses me enie kommt von mansio, die Behausung. Und sprachlich könnte Me e um so eher davon abstammen, als Meßner = Küster davon herkommt, althochdeutsch mesinari, mittelhochdeutsch me enaere, mittellateinisch me senarius, mansionarius; es könnte sogar mansio als Behausung in Me e stecken. — Doch wir wenden uns zum german is chen Sprachgebiet. 6. Hier tritt uns zunächst ein Zeitwort entgegen, das „zusammenkommen‟ bedeutet und deswegen vielleicht in Betracht kommen könnte, weil die Me e ein Zusammenkunftsort ist. Altfriesisch meta, angelsächsisch met an, altenglisch meten, altniedersächsisch moti an, englisch meet. Aber gerade der Umstand, daß dieses meet sein t unverschoben bewahrt hat und nicht zu s werden ließ, verbietet uns me mit meet zusammenzubringen. 7. In unseren fortgeschrittenen Zeiten, in denen namentlich auch die Ernährung an Bord so viel be er geworden ist, wird in der Me e nicht jedem sein Teil zugeme en. Zu Zeiten aber, wo das E en oft recht knapp war und wo mancher vielleicht bei dem Worte Me e an das alt fries is che Zeitwort mi a = entbehren zu denken geneigt war, da mag wohl ein Einteilen und Zume en nötig gewesen sein. Man könnte daher an das althochdeutsche Zeitwort mezz an, me en, denken, angelsächsisch met an. Dann wäre Me e eines Stammes mit „Mutter‟, denn Mutter bedeutet die Abme erin, die Zuteilerin, „die Spendende‟, neben dem Vater als dem „Beschützenden‟. In der Tat kommt dieses Wort in Betracht. Doch nicht so, daß Me e unmittelbar von me en käme, es kommt vielmehr noch ein Mittelglied in Betracht und es liegt noch ein weiter Weg dazwischen. 8. Das E en, die Speise heißt gotisch mats, althochdeutsch maz, alt nie der deutsch met i, angelsächsisch mete, altenglisch mete. (Weil das Fleisch ein so wichtiges E en ist, so hat sich im Englischen und Niederdeutschen meat, met für eßbares Fleisch eingebürgert.) Altfriesisch mede, met, mat und meyt = Speise: E en und Trinken . Hierzu ist zu ver glei chen der alt deutsche mesiban, d. h. der Eßbann, das Speise ver bot, ein scharfes Verbot, einem Verb rec her Speise zu reichen. — In der Mainzer Beichte, einer Handschrift aus dem X. Jahrhundert in Wien, heißt es: „Ih gihun gode almahdigen unde allen godes engilon‟... gesündigt zu haben „in uncîdin sclâphun, uncîdin uuachun, in uncîdigimo mazze, uncîdigimo dranche‟... Unser neuhochdeutsches Wort Me er hieß althochdeutsch me isahs, also eigentlich „Eßschwert.‟ — Dementsprechend erhielt sich im Mittelniederdeutschen sehr lange das Wort me für Speise. Im Lübecker Zunftrecht steht die Be stim mung: „Men schall nener hande kramgued vthsetten des sondages vnd a post eld ages, vthgenahmer koken unde me werk.‟ Doch hatte sich damals me , de en ursprünglicher Vokal a war, schon daneben über moes in mos, ja in mus verschoben. Letztere Form ist be sonders bekannt aus der Verb in dung musdel, Musteil; so nannte man den Teil an Lebensmitteln der beim Todes Mannes der Witwe zufiel; erstere in der Verb in dung mosh us = Speisehaus, Speises aal. Hernach hat sich mus als breiartige Speise weite Verbreitung verschafft, und wenn unser Sammelwort Gemüse auch jetzt auf Pflanzenspeisen eingeschränkt ist, so hat es in diesem Sinnedesto unbestrittener Geltung erlangt. Natürlich ist auch Mast dam it verwandt, denn Mast heißt auch nichts weiter als Speise, Futter, Fütterung, Mästung und dieses hat erst in weiterer beg rif flic her Entwickelung die Bedeutung „Fett mac hung‟ erhalten; wovon mästen, das heute noch in Ostfriesland me en heißt. — Vom angelsächsischen Hauptwort mete dagegen hat sich das angelsächsische Zeitwort metsian, mesan, altenglisch metsien = e en, gebildet; wobei in Betracht zu ziehen ist, daß heute noch im Englischen to me = zusammen e en ist, so daß also der Begriff des gemeinschaft lichen E ens sich bis auf diesen Tag erhalten hat. Das ist aber ursprünglich nicht, oder doch nicht immer geschehen, denn schon im Altsächsischen hieß mesa der Speisekorb, der Futterkorb; des glei chen im Alt nor disc hen me is. Man saß also von Alters her an Bord um Futteroder vielmehr Speise-Behälter herum, also um „Backen‟ im ursprünglichen Sinne. Die Gemeinschaft derer die der gestalt zusammen aßen hieß „Meßgesinde‟. Das wird uns zum ersten Male durch die Freiheiten der Stadt Brügge für deutsche Kaufleute vom Jahre 1309 bezeugt: „Vord dat die vorseide coopmanne moghen hebben alrehande vitaelge ende alle maniere van dranke, die si bringhen bi der zee, ute ghesteken wyn onder hem ende hare maisniede te verteerne, binnen haren herberghen zonder a ise daer of te ghevene, up dat sy 't niet vort verkopen‟. Für maisniede kommt im Flämischen auch mey enye, me niede, maysinede vor. Das alt nor disc he me is klingt hier deutlich durch. Der german is che Ursprung ist also unzweifelhaft, und auch dieses Wort ist im seemännischen Sinne nicht in England, sondern in den Niederlanden zuerst gebraucht worden. — Es hat eine ähnliche Bedeutungsentwicklung wie Bursche, spätmittelhochdeutsch hieß burse Geldbeutel, Börse, Ka e; dann gemeinschaft liches Wohnund Kosthaus der Studenten, wo sie aus gemeinschaftlicher bursa lebten; dann zuletzt student is che Geno enschaft, deren einzelnes Mitglied ebenfalls Bursche genannt wurde. — Unter 7. ist gesagt worden, Me e ist mit Mutter verwandt. Das Mittelglied ist maz, Speise; dieses hieß nämlich ursprünglich ebensowenig E en im Allgemeinen wie Fleisch im Be sonde ren, kommt auch wohl nicht von einem Stamme der „kochen,‟ sondern — wie Mutter — von einem der teilen, zuteilen, zume en bedeutet, so daß maz also das (einem Menschen zum Verzehren) Zugeme ene ist, woher dann Me e als der Ort wo, und die Versammlung, worin jedem Mitgliede das Seine zugeteilt wird.
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