Schute
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
die, ein gedecktes Fahrzeug, lang und schmal, mit geringem Tiefgang, zur Beförderung von Personen und Gütern auf Flü en und Kanälen. Sie sind weder zum Rudern noch zum Segeln eingerichtet, sondern werden get reid elt, teils von Menschen, teils von Pferden; daher der niederländische Name trek-schuit, Zieh-Schute; (der Junge der auf dem Pferde sitzt und es antreibt heißt het jagertje). Sie bildet ein sehr angenehmes Beförderungsmittel. Wer einmal mit einem solchen auf einem holländischen Kanal gefahren ist, der wird zu sagen wi en, wie bequem und gemütlich das geht. Zwar etwas langsam, aber sicher. Auch Röding (1794) nennt sie „bequem‟ und weiß von vielen Arten Schuten in Holland, darunter sogar auch Segelschuten. — Die großen Elbkähne, die von Berlin und anderen Orten die Elbe herunter nach Hamburg kommen, nennt er „Hamburger Schute‟ und beschreibt sie als stattliche Schiffe von 120 Fuß Länge. In und bei Berlin ist der Name heute noch sehr gebräuchlich. Riecke, „Ursprung und Name der Städte Berlin und Köln an der Spree‟ behauptet sogar: „Der märkische Name Schute für Kahn ist vom keltisch-gälischen sguit, ein Boot, abzuleiten.‟ Dagegen spricht aber das frühe Vorkommen des Wortes an der Nordsee. Man möchte daher eher auf niederdeutschen Ursprung schließen. Im Mit tel late in is chen hieß Schute escauda, das könnte von dem französischen Namen der Schelde kommen, wie denn in der Tat nach einer Urkunde von 1252 ein Schiff, das auf der Scarpe, einem Nebenflu e der Schelde fuhr, scarpoise hieß. — Inde en liegt eine andere Erklärung viel näher. Die Alten haben einem Schiff gerne nach der Bewegung den Namen gegeben. So dürfen wir auch hier annehmen, daß ein von scheten = schießen kommender Stamm schut zu Grunde liegt, indem Schute ein (verhältnismäßig schnell, weil vom Pferde gezogenes,) dahinschießendes Boot ist. — Das Fahrzeug muß schon früh, im Mit tel alter, bekannt gewesen sein, wenn man bedenkt, daß es nach der Hamburger Chronik bereits in mittelniederdeutscher Zeit zu einem scherzhaften Vergleich herangezogen werden konnte, die feindlichen Schiffe „weren doch man appelscuten, dar weren se unverzaget vor.‟ — Kilianus hat schuyte, navigiolum, und schuyt ken = Boot. — In den Niederlanden muß in früheren Zeiten eine schuit so wohnlich gewesen sein, daß der Gedanke in einer solchen zu wohnen kein abenteuerlicher war. Am 14. April 1649 haben die Generalstaaten ein Plakat erla en gegen de schadelycke ende Moordtdadige Secte van Jesuiten en andere Priest ers, Monicken, ende geseiyde Geestelycke of Religieuse Personen, van de Romsche Religie zynde, weil sie die guten Bürger des Landes ihrer gesetzmäßigen Obrigkeit abwendig machten „ende tot moorderye van Prinsen ende Potent a ten‟ verleiteten. Sie wurden verbannt, und eine Strafe von 200 Gulden dem auferlegt „in wiens Huysen, Velden, Schepen ofte Schuyten‟ sie ihr Wesen trieben.
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