Anker

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 1
der. Lehnwort aus dem Late in is chen, ancora. Plinius schreibt die Erfindung des Ankers den Tyrrheniern zu. „Aber schon die Griechen hatten vervollkommnete Anker mit Armen und Zähnen daran, die in den Grund fa en konnten‟, die daher oft geradezu odontes, dentes, Zähne genannt wurden. Sehr früh, lange vor dem Jahre 1000 unserer Zeitrechnung, ist das Wort ins Deutsche übernommen worden, denn schon im „Béowulf‟ finden wir ancor und ancor-bend = Ankertau. Das ältere, einheimische Wort für die Sache hieß im Althochdeutschen senchil und senchilstein. Die Bedeutung ist ohne Weiteres jedem klar, der etwa einmal in der Magellanstraße die Pescheräh-Frauen (die da alle Arbeit tun mü en) ein Boot durch Versenkung eines an einem Tau befestigten Steines „verankern‟ sah. Nach dem Bericht der ältesten Schriftsteller gebrauchten die ersten Völker anstatt der Anker nur Körbe voller Steine und Säcke voller Sand, die sie an Taue gebunden in die See warfen. Auf solche Weise banden die Helden auf dem Argo ihr Schiff an Felsen oder warfen an Stricke gebundene Steine ins Meer, um sich dam it festliegend zu machen, solcher simplen Anker bedienen sich auch noch heutzutage manche Völker, bei denen die Schiffahrt noch in ihrer Kind he it ist‟. Übrigens geschieht solches auch bei anderen Völkern, man kann es selbst bei deutschen Bootsführern oft genug sehen. Die althochdeutsche Form war ancher. Inde en scheint das Wort im Althochdeutschen doch noch nicht allgemein bekannt gewesen zu sein, wenigstens lesen wir in einer Bemerkung zu einer um das Jahr 1000 geschriebenen Übersetzung des Boëthius de consol at i one philosophiae: „anchorae daz sint suarin isen‟. Das hätte nicht gesagt zu werden brauchen, wenn man es als allgemein bekannt hätte vor a us set zen können. —  Merkwürdig ist die Wandlung des Geschlechtes. Im Late in is chen ist das Wort weiblich, im Hochdeutschen männlich, der Seemann aber gebraucht es gerne sächlich. Teile eines Ankers: Der Schaft, das Kreuz, die Arme mit den Händen, Spaten, Schaufeln oder Pflügen, der Anker stock, durch das obere dünnere Ende des Schaftes gesteckt, das Auge mit dem Schäckel d. h. der Röring. (s. d.) Man unterscheidet nach ihrer Gestalt, ihrer Konstruktion oder ihren Konstrukteuren: Admiral itätsoder Normal anker, Ingle field anker, Hall anker, Martins anker, Trotmannsanker, Smith anker, Porter anker, Rodgeranker, Schirm-, Pilz-, Schildoder Minenanker, Dregganker. (s. d.) Nach Art der Verwendung unterscheidet man Buganker, Heckanker, Warpanker, Rüstoder Reserve anker, Notoder Pflichtanker, (s. Pflicht) Boots anker. Siehe auch Katten, Fischen, Schweinsrücken, Baxterlagerung.
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