Etmal
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 3
das. Ein Etmal ist in der Seemann prache ein Zeitraum von 24 Stunden, und zwar vom Mittag des einen bis zum Mittag des andern Tages gerechnet. „Wir haben ein Etmal von 300 Seemeilen‟ heißt also: wir haben in 24 Stunden 300 Seemeilen zurückgelegt. Auch in so fern ist ein Etmal ein Zeitraum von 24 Stunden, als in dieser Zeit zweimal Ebbe und zweimal Flut stattfindet, es erstreckt sich also über zwei Tiden; jedoch kommt es auch vor, daß Küstenbewohner nur eine Tide, also die Zeit von 12 Stunden so nennen. Aber schon Kilianus kennt das Wort im ersten Sinne und übersetzt es mit dies natural is: 24 horarum spatium. Ganz unbefangen leitet er es von eten = e en ab, „prandere qui a astrologi incipiunt diem a meridie: nempe cum sol ingreditur circulum meridianum, quo tempore vulgo pranditur.‟ Ähnlich Weil and: er nimmt etmal = eetmal, „dit schynt te zien op het gebruik der Ouden van slechts eenmal daags, en wel omtrent den middag, eenen hoofdmaaltyd te doen.‟ Man könnte sich versucht fühlen, das für einen Witz zu halten wenn die Wörterbücherschreiber nicht sonst so ernste Leute wären. — Das -mal ist ohne Weiteres klar; es bedeutet (gothisch mel, althochdeutsch mal) einen Punkt, (Mal, Muttermal, malen) dann Zeitpunkt, dann Zeit überhaupt, be sonders aber auch Zeitpunkt des E ens (weshalb unser Mahlzeit eine der vielen Tau to log i een der deutschen Sprache darstellt). — Die erste Silbe „et‟ wird von Diefenbach als ein verstärkendes, die Wiederkehr anzeigendes, also ein iteratives (von iter, iterum) Präfix erklärt. Tatian: in itmalens tage Ostrono, am wiederkehrenden Tage der Ostern. In Beówulf kommt die Zusammensetzung edhwyrft vor = Wiederkehr, (Rückkehr des alten Zustandes nach der Rückkehr von Grendels Mutter), ferner ed-wend an sich zurückwenden, und ed-wenden die Wendung, der Wechsel. Im Alt fries is chen hat Etmal schon die seemännische Bedeutung: „Dat schilma binna trim Etmelum fifiuchta‟, „das soll man binnen dreimal 24 Stunden befechten.‟ Neufriesisch: et-grode, noch einmal gewachsen (nachdem das Gras bereits gemäht oder abgeweidet war, auch et-grün) vergl. Kilianus et-groen, na-weyde, Nachweide; etwende, die Stelle wo der Pflug beim Pflügen am Ende des Ackers immer wieder umkehren muß, hochdeutsch (oberdeutsch) Gewandung. Die mittelalterliche Bezeichnung eddach, ettink für einen regelmäßig in bestimmten Zeitabschnitten wiederkehrenden Gerichtstag hat weder mit echt = Gesetz, noch mit ed = Eid zu tun, denn Gesetz und Eid kommen bei jedem Gerichtstag in Anwendung und können daher eine besondere Art nicht bezeichnen, sondern ist eben et-dag, ein bestimmter, regelmäßig wiederkehrender Tag, schon weil dafür auch markding gesagt wird, was sicher einen bestimmten Zeitpunkt andeutet. — Was das seemännische Etmal betrifft, so empfiehlt Lucas Janszoon Waghenaer in seinem „Spiegel der Zeewaerdt‟, 1588, sehr, es regelmäßig auf der Karte zu bezeichnen. Er schreibt: „Tis seer goet alle Etmalen eens af te steken, ende te teckenen watmen ghezeylt ende behouden heeft, op datmen inde graden sien mach wat hoochde men heeft, ende hoe alle de hoecken ende landen van u zyn legghende.‟ Derselbe Waghenaer spricht auch wiederholt von einem Etmal des Mondes.
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