killen
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 5
Die Segel killen, wenn sie hinund herschlagen oder wappern, weil der Wind aus Versehen des Steuernden oder wegen plötzlicher Rich tungs veränderung weder von vorne noch von hinten kommt, sondern grade aus der Richtung in der die Rahe gebraßt ist; killen = schwappern, flattern, hinund herschlagen, und zwar kurz und kräftig, nicht lahm und langsam wie wenn überhaupt kein Wind geht. Trotzdem ist es da elbe Wort wie niederländisch killen, englisch kill = töten, d. h. schlaff machen, der treibenden Kraft berauben; althochdeutsch quell an, chellen, chelen, mittelhochdeutsch quellen, quälen, töten, altenglisch quell, sterben, langsam hinsterben, hinschwinden, abnehmen, sich vermin dern, nachla en, was der Bedeutung wegen beach tens wert ist, weil die Fahrt des Schiffes durch das Killen vermindert wird und nachläßt. Neuenglisch chill, das Zittern und Beben der Hände vor Frost in oberdeutschen Mundarten kellen oder gellen, „o Mutter die Hände gellen mir so!‟ sagt ein Kind, wenn die Hände so kalt sind, daß die Fingers pit zen sich anfühlen als bohre ein Wurm darin. — So wenig das Killen eines ganzen Segels gewünscht wird, so ist es doch das Kennzeichen eines guten Ruder gas ten, daß er, wenn er hoch beim Winde steuern soll, so nahe an den Wind geht, daß wohl die Luvschot der Oberbramsegels, aber nicht das ganze Segel killt; das ist dann der Beweis, daß er nicht höher steuern kann, aber auch nicht voller steuern will.
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