Kragen

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 5
der. 1. Des Mastes, ist ein Stück Presenning oder geteerten Segeltuches, das, wie ein Kragen um den Hals, um den Fuß des Mastes gelegt wird, da wo er durch das Deck geht, dam it an dieser Stelle kein Wa er in das Schiff eindringt. 2. Des Stags, ist ein Stropp oder ein Auge mit dem der unterste Teil eines Stags befestigt wird; auch dieser Stropp, dieses Auge, wird wie ein Kragen umgelegt, z. B. der Kragen des Fockstags um das Bugspriet. Von einem solchen Stagkragen ist in der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, Lübeck 1673, zu lesen:... begegnete mir ein gro er Nordwesten Sturm, so daß ich mit kleinen Segeln mußte bey halten: weil nun das Gewitter länger anhielte, ward das Wa er deswegen sehr holl, so daß das Schiff dadurch sehr arbeitet, könte auch bißweilen nichtes mehr dann ein Siegel führen, biß endlich daß Bochspret die Vorsteve loß machte, es war aber ein Stück, so daroben war aufgesetzet und biß an die Klüsen hinunter lieff (also nicht der eigentliche Steven, sondern das Gallion); Weil es aber Nacht war, und wir kein Mohnschein hatten, auch sobald kein Mittel finden konten, daß wir es fäst machten, so waren wir entschlo en daß Bockspret weg zu hauen; Ging derowegen mit dem Zimmermann vor auff die Pflicht (der zweite Teil jener „Beschriving‟ ist hochdeutsch; im ersten Teile, der „in unser Saxsischen Sprack‟ geschrieben ist, würde das Wort Plicht gelautet haben; es sagt der Verfa er aber ausdrücklich: „Ick heb mi nicht gebunden an de Wörde und Nahmen, offt se wor nicht recht na dem Saxsischen luden; Sundern mi reguleret nor de Manner, alß idt by unsen Seefahrenden wert gespracken, up dat idt des to be er van ehm kan verstahn werden‟), und hielt mich mit der einen Hand an den gro en Kragen vons Stag , mit der andern Hand den Zimmermann, daß er das Bochspret weghauen sollte; Indem kam eine See und nahm das Bockspret gantz mit sampt der Steve und Pflicht, welche unter drey Balcken hatte, und war die Focke-Mast dare in gefüget mit Bretter und allem Uberbort: Ich und der Zimmermann wurden zu unserm Glücke inwerts geworffen, kamen hinters Both zu liegen, daß Bochspret aber schlug mit dem vor Ende hinterwerts, und holete die Focken-Mast mit daß Focken Stach hinten über, so daß das Focken Spar ins Raum brechen mußte, also mußten wir die Mast auch weghauen. Daß gro e Stach aber, weil es auff die Vorsteve fäst war, und diesel be nun abgebrochen, so kam da elbe Stach auch loß zu liegen, kontens auch in der finstern Nacht so bald nicht wieder fäst bekommen, also fiel die gro e Mast auch über Bort.‟
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