Nipflut
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 6
die = niedrige Flut. Das nie der deutsche Zeitwort nippen heißt mit dem Kopfe nicken, den Kopf sinken la en. Dem entspricht das Hochdeutsche nippen, den Kopf öfters sinken la en um in kleinen Schlucken zu trinken. Mit tel nie der deutsch nipen sinken, niedergehen, heruntergehen, sich senken. Ein niederdeutsches Substantiv nip heißt Nicken, das Sichneigen des Kopfes. Von dem allgemeinen Begriff niedergehen kommt das angelsächsische nip an = obscurari, weil niedergehende Gestirne dunkel werden, bezw. dunkel machen. Es ist also Nipflut mit „niedrige‟ Flut zu übersetzen. — Breusing mochte dieses Wort vergl. „Gezeiten‟, nicht leiden, weil er es für englisch und deutschen Seeleuten unverständlich hielt. Er möchte dafür „taube Gezeit‟ eingeführt sehen. „Man unterscheidet Springzeit und taube Gezeit in ähnlichem Sinne, wie man leere, taube Schoten von denen unterscheidet, die aufspringen, wenn sie voll und reif sind.‟ Es hat sich aber Nipflut so in der wis sens chaft lichen Welt eingebürgert, daß an ein Verdrängen nicht zu denken ist. Nach obigem ist es auch gar nicht so au chließlich englisch wie Breusing dachte; ebensowenig wie tide (s. d.) englisch ist.
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