Kapitän
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
der, ist der Führer, bezw. Befehlshaber eines Schiffes, der Oberste, „das Haupt‟, denn vom late in is chen caput kommt das Wort. Von demselben kommt auch Kadett, Korporal, Kapital, Kapitel, Kapitularien, kapitulieren, Kapitell, Kap, Kappes, Kappzaum, Kapuze, da capo, Chef, Kataster etc. Kapitän hieß mittellateinisch capi tane us, altfranzösisch chevet aine und chataine, daher das englische chieftain. — Noch zu den Zeiten des achtzigjährigen Krieges war an Bord der Krieg chiffe der Hauptmann nicht derjenige Mann an Bord, der das Schiff, sondern derjenige, der die eingeschifften Soldaten unter sich hatte. Dieser letztere war der eigentliche Kapitän und hieß auch so, während jener Schiffer, Steuermann, Bootsmann hieß und nur die seemännischen Manöver und überhaupt das Nautische zu besorgen hatte. Wandte man ja auch auf ihn einmal das Wort Kapitän an, so sagt man, um Verwechslungen vorzubeugen, Seekapitän. In der Marine gibt es gegenwärtig folgende Kapitäne: 1. Kapitän zur See = Oberst. 2. Fregattenkapitän = Oberstleutnant. 3. Korvettenkapitän = Major. Diese werden alle drei angeredet: „Herr Kapitän!‟ Aus Höflichkeit, ohne daß er einen Anspruch darauf hätte, wird wohl auch hie und da einmal so genannt: 4. Der Kapitänleutnant = Hauptmann. — Im Mit tel alter war Kapitän gleichbedeutend mit Häuptling. „1355 is Edo Wimkenn van den Richteren der Rüstring, Oistring und Wangers, nomtlik van Hillert van Laurens, Tanno Iben tho Sandell, Mester Olrick tho Kniphusen, Junge Hedde tho Welens etc erwelet und angenhamen mit synen Nakomelinge tho ein Capita in und Hovet de lande und luide vorthostaen und tho regeren, wente de Richter weren des amptes moede und averdratich.‟ Das erste und älteste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes Kapitänleutnant finde ich in einem Briefe, der im Jahre 1623 aus seinem Schlo e Lützburg an den nach mali gen Feldmarschall Dodo von Knyphausen geschrieben worden ist: „Der obrist Syton hatt vor 3 tagen jegen den abendt, alß man die pforten zuschließen wollen, einen anschlagh uff dieß Hauß gemachet, indem er etzliche mußquettier bewerter Handt geschickett, alß nun aber solches mißgelungen und der captain leutenambt vom Heren Ryngrawen, so im Kruege gewesen, auß dem schatthause angerufen worden‟... Auf einem Grabdenkmal in der Schloßkirche zu Meisenheim (Heintz S. 106) lesen wir von einem Kapitän-Lieutenant Schmidtmann, der 31 Jahre alt im Jahre 1688 gestorben ist: „Gedachtnuß Herren Carl Ludwig Schmitmans Herren Johan Daniel Schmidtmanns, Hiesigen Pfarrers Und Inspector is In Gott Ruhenden Lieben Sohnes Gewesenen Kapidain Lieutenants Unter Dem Löblichen Schweizer Regiment Von Salis‟... 1747 erschien zu Regensburg ein Buch „Auxilia historic a oder Hist or is cher Behulff‟, in dem werden „die Offizier und Personen in einem einzigen Schiff‟ folgendermaßen aufgeführt: 1. Capita in ist in einem Schiff der Höchste, so das ganze Kommando darüber, und sehr streng, führet. Er hat einen Lieutenant. 2. Command eur hat in einem Schiff nur das Commando über die Soldaten. 3. Schiffprediger ist ein Feld-Pater. 4. Schiffer ist über die Segel, und die ganze Equipage. Wird auf dem Mittelländischen Meer Patron genennet. 5. Steuermann, Pilote, ist, der das Schiff mit dem Steuer-Ruder nach dem Compaß lencket, wohin es soll. Er muß in Geometria, Astronomia, Geo graph i a, der Karten u. s. w. wohl erfahren sein. Es seynd zwei auf einem Schiff, und beobachten mit dem Schiffer die Einrichtung der Segel, best ellen die Wachten auf den Masten und beratschlagen sich immer wegen der Seekarten, davon sie dem Capita in Rapport geben. 6. Bo eman, der die Ancker beobachtet. 7. Weiteres ist darauf ein Schreiber oder Secretari: Zwey Barbier: Ein Schiffszimmermann oder Baumeister: ein Haupt-Con stabler, und andere zwölff. Esquiman oder Schiemann, hat Aufsicht über die Pompe, ist sonst Quartier-Meister. Ein Buddelier mit seinen Gehülffen: Ein Mund-Koch: Ein Schiff-Koch mit Bedienten: Lotsmann oder Wegweiser: Segelmacher: Tischler: Schmied: Feuerwerker: Profos u. s. w. und Boots-Leuth, Matrosen, Matelots, sind die gemeine Bediente und Schiff-Volck, so alles, was in der See-Fahrt selbst von nöthen, ver rich ten, mit tawen, anckern, seeglen, wachen. Seynd in drey Wachten oder Compagnien, jede zu 100 Mann abgetheilt, darüber der Schiffer und die zwey Steuermänner command i ren. Insgemein ein ver we genes Volck: Und hat es theils vonnöthen, ma en sie in höchsten Stürmen auf den Bäumen und Stricken wie die Mucken herum fahren mü en.‟
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