Hochbootsmann
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
der. Ein Wort, das zwar von der Kriegsmarine nicht mehr gebraucht wird, aber doch noch nicht ganz aus dem Sprachschatze des Seemannes entschwunden ist. Wenn im alten Griechenland die vielen Ruderer eines Schiffes zugleich anrudern und überhaupt Takt halten sollten, worauf nicht nur wegen des or dent lichen Au ehens allein, sondern vor allen Dingen auch der grö eren Kraftentfaltung zu Liebe gehalten werden mu te, so konnte das nur durch ein Kommando, das für alle hörbar war, geregelt werden. Dieses Kommando gab der Keleustes, der Ruder meister, Bootsmann, Taktangeber oder wie man das Wort übersetzen will. Wie er das Zeichen gab, erhellt aus seinem griechischen Namen, der von keleuo kommt, rufen, zurufen, antreiben, ermahnen, befehlen; davon keleuma der Zuruf, der Befehl, das Gebot, der Takt, in welchem gerudert ward. Keleustes heißt also ursprünglich Zurufer. Was aber der griechische Bootsmann seinen Ruderern zurief, welche Töne er von sich gab, welche Laute er hören ließ, das wi en wir nicht. Bekannt ist aber, daß auf Trieren, also auf Krieg chiffen, der Bootsmann durch einen Maaten mit der Pfeife unterstützt wurde. Der hieß trier a ules, der Schiffsflöten spieler, Schiffspfeifer. — Nun übte im Mit tel alter das Amt des Keleustes nach we is lich der Bootsmann aus, und zwar mit Hilfe des Zurufes: „Hou, hou!‟ Er wurde dadurch, wie Kilianus sich ausdrückt, zum hortator, der die Leute ermahnte, durch Zuruf antrieb, zugleich ihre Kraft zu irgend einer gemeinsamen seemännischen Arbeit einzusetzen. Das kann allerdings auch und muß unter gewi en Umständen ohne lautes Rufen geschehen. Beim Wettrudern z. B. gibt der Boot teurer nur durch das energische rythmische Vorbeugen des Oberkörpers den Takt an. Man hört dabei keinen Laut und darf keinen hören, außer dem eines allerdings mit großer Kraftanstrengung den Ruderern an die Köpfe gehauchten h! Das h nimmt unter den Buchstaben eine eigene Stellung ein. Es ist kein Konsonant, weil der Mundkanal bei seiner Bildung nicht verengert wird; es ist auch kein Vokal, weil ihm der Stimmton fehlt. Da wi en es die Gelehrten nirgends so recht unterzubringen. Wenn sie einmal einen eifrigen Bootsmannsmaaten beim Wettrudern sein h! herau chmettern hörten, dann wüßten sie, was ein h ist, nämlich noch immer das was es ursprünglich war, ein gutturaler Reibelaut, wobei je nach Geburt, Herkunft und Muttersprache, der eine mehr einen Velarlaut, der andere mehr einen Palatallaut artikuliert. Ist aber eine gemeinsame Kraftanstrengung der Matrosen bei Gelegenheiten herbeizuführen, wo es nicht so sehr auf peinliche Stille ankommt, dann bedient sich der Bootsmannsmaat des bekannten Zurufs: „Zugleich!‟ indem er das „zu‟ so herau tößt, das es durch eine kleine, die Aufmerksamkeit spannende Pause von dem „gleich‟ getrennt ist, dam it die Leute, sobald sie nun dieses „gleich‟ hören, alle mit einem Ruck ihren Biceps in Thätigkeit setzen. Der Bootsmann in Kilians Tagen aber begnügte sich weder mit dem gutturalen Reibegeräusch beim Wettrudern noch gebrauchte der das „zugleich‟ der Arbeitsverteilung, sondern schrie nur immer „hou‟ oder „ho!‟ darum hieß er Ho-Bootsmann. Und als hernach die Rollenverteilung so vor genom men wurde, daß dem Schiemann die Aufsicht über die Takelage des Fockmastes, dem Bootsmannsmaaten diejenige über den Kreuzoder Be san mast, dem Bootsmann aber die über den Großmast übertragen wurde, der auch „der hohe Mast‟ (wohl nach dem Dänischen) hieß, so konnte aus Ho-Bootsmann leicht Hochbootsmann werden.
Readham'da tam maddeyi gor →