Flotte

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 3
die, ein Verb and von Schiffen, Kriegsflotte, Handelsflotte, Fischerflotte, Panzerflotte; auch der ganze Best and einer Nation an Krieg chiffen, „die deutsche Flotte‟ etc. etc. Das Wort stammt von der unter flott angegebenen Wurzel und hat sich selbständig im niederdeutschen Sprachgebiet entwickelt. Es gibt allerdings auch ein italienisches, gleichbedeutendes Wort flota, portugiesisch frota, spanisch flota, französisch flotte. Aber unser „Flotte‟ hat mit ihnen nichts zu tun, we it eher umgekehrt. Denn wenn die roman is chen Wörter auch von fluctus kommen, da altfranzösisch flote Menge, Schwarm hieß,  — man sagte flote de gens, flote de nefs, flote de poile, Haarflocke  — , ja wenn es auch sogar den Anschein hat, als sei das Wort nach Hochdeutschland —  nach 1565, da der Ulmer Leonhart Frohnsperger es noch nicht kennt und statt de en Armada sagt, wie denn überhaupt seine Kenntni e sich auf südliche See man nswörter beschränken, von der Hansa und deren Sprachgebiet hat er kaum eine Ahnung  —  nicht aus Nie der deutschland, sondern aus dem Mittelmeer gekommen, was aus der Form in der es zuerst auftrat: Flotta zu schließen ist und um derentwillen es 1617 im „Teutschen Michel‟ als Fremdwort verspottet worden ist, so bemerkt doch Diez gewiß richtig, daß seine ursprüngliche Bedeutung durch den Einfluß des niederländischen vloot eine der modernen sich anbequemende nähere Be stim mung erhalten habe. Jedenfalls hat an den Küsten der Nordsee Flotte schon früh eine Vereinigung von Schiffen bedeutet. Altfriesisch flothe: „ende thet bi der Elwa biland tha flothe.‟ Und wenn auch im Beówulf flota nur ein einzelnes Schiff bedeutet, so genügt das Wort dennoch zum Beweis für ein vom Mittelmeer unabhängiges Dasein.  —  Dagegen ist Flottille rein roman is chen Ursprungs vom span is chen flottilla, kleine (Silber-)Flotte, 18. Jahrhundert.  — Der Übersetzer der „Durchläuchtigsten Seehelden‟ 1681 gebraucht das Fremdwort Flotta und das einheimische Flotte neben einander; wahrscheinlich hat er ersteres aus seinem hochdeutschen Sprachbewußtsein, letzteres aus seinem Original, das holländisch geschrieben ist. Eine holländische Flotte segelte 1628 nach Westindien unter Pit Heyn. „Das Schiff, der schwartze Reuter, das Einhorn und der Fuchs, bekamen Befehl vorauß zu segeln, und darob zu seyn, daß sie deß Morgens allezeit wieder bei der Flotta seyn möchten. Und als sie sich den zehenden Julii auf der Höhe von vierzehn Graden und sechs und zwantzig Minuten, und deß andern Tages auf dreyzehen Graden und vier und fünfzig Minuten Norderbreite befunden, befahl der General (Admiral Heyn nämlich) der Jacht (Aviso!) dem Fuchs, nach dem Untergang deß Mondes vorauß zu segeln, und wenn sie etwa Land gewahr würden, der Flotte solches mit einem Schuß kund zu thun.‟
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