Stag

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
das, ein dickes Tau, durch das jeder Mast und jede Stenge ihre Be fest i gung nach vorne erhält, während die Wanttaue zur Be fest i gung der Masten nach beiden Seiten und nach hinten zu dienen. Die Stage halten die Masten hauptsächlich beim Stampfen des Schiffes, die Wanten beim Schlingern. Jeder Mast und jede Stenge hat ein Stag; es fährt um den Top und von da nach dem Fuß des nächstvordern Mastes oder der nächstvordern Stenge, beim Vortop oder bei einmastigen Schiffen nach den entsprechenden Stellen des Vorgeschirrs.  —  Niederländisch stag, isländisch, norwegisch, schwedisch, dänisch stag; englisch stay, französisch étai, spanisch und portugiesisch estay. Das Wort kommt von stan = stehen, als etwas, was etwas stehen macht, stützt; mit tel nie der deutsch staeden, staeyen; bei Kilian staede, staye, Stütze, Hilfe.  —  Aber nicht nur zur Stütze der segeltragenden Masten und Stengen dienen die Stage, sie tragen nebenbei auch selbst Segel, dreieckige, Stagsegel genannt, die näher bezeichnet und benannt werden nach den Stagen an denen sie fahren.  —  Wenn man das Schiff wendet so gehen die Stagsegel von der einen Seite über das Stag auf die andere Seite; daher man das Wenden auch nennt „ über Stag gehen .‟  — Staglaterne ist eine Laterne, die am Vors tenges tag gehißt wird, hoch in der Mitte zwischen beiden Positionslaternen, zum Zeichen daß das Schiff unter Dampf ist. Auch die Anker lat erne wird in ähnlicher Weise, doch niedriger, gehißt, zum Zeichen, daß das Schiff vor Anker liegt.  —  Über Stagläufer s. Läufer.  —  Ein schöner dichterischer Ausdruck für Pferd findet sich in der Edda: stagstjorn-marr, Stagsteuermähre, also ein Pferd das Stag und Steuer hat, dem der Zaum und Zügel als Halt dient und die Richtung angibt.  —  Stagtalje, Stagtakel erklären sich von selbst. —  Von Stag ist seemännisch ein Zeitwort gebildet: stagen = stützen.  — Was sers tag heißt das Stag des Bugspriets nach dem Vor steven zu, weil es so nahe am Wa er, das dem Wa er nächste Stag, ist.  —  Es gibt auch noch einen von „wenden‟ verschiedenen Sinn von „über Stag gehen‟, nämlich den von „fallen, umfallen‟; wenn das Schiff z. B. plötzlich sehr „überholt‟, sich unvermutet sehr auf die Seite legt, so geht etwas das nicht fest, seefest gezurrt ist „über Stag‟, d. h. es verliert seinen Halt, seine Stütze, sein Gleichgewicht und fällt um.
Readham'da tam maddeyi gor →