schamfilen

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
heißt durch Reiben verletzen. „Ein Schiff schamfilt an der Schleuse,‟ d. h. es kommt der Schleuse zu nahe und reibt sich dabei die Farbe ab, daß das Holz zum Vorschein kommt. „Ein Tau schamfilt,‟ d. h. es reibt sich an einem festen Gegenstand und nützt sich so vor der Zeit ab. Um der glei chen zu verhüten hat man verschiedene Mittel: Fender, Sarving, überhaupt Bekleidung des Tauwerks, und be sonders auch Schamfilungsmatten .  —  In Osterstade, jener fries is chen Enclave jenseits der Unterweser, heißt schamp ein Fehler an der Gesundheit. In Ostfriesland heißt die Epidermis schampfel, womit nichts anders gesagt sein soll als daß die Oberhaut leicht verletzlich ist, durch Reiben und dergl. leicht beschädigt werden kann. Dem entsprechend heißt das nie der deutsche Zeitwort schampen streifen, im raschen Vorbeigehen leicht treffen und berühren, durch Streifen oder rasches Vorbeigehen und nahes Berühren eines Gegenstandes denselben äußerlich beschädigen und verletzen, jemanden leicht verletzen. In Westfalen heißt der Prellstein sehr bezeichnend schampsten. Aus schampen ist ein Inter at i vum schamperen, schampferen, schamferen, scanferen gebildet worden, For men die im Mittelniederdeutschen sehr häufig vorkommen, „he hadde nene scanferinge an der Hut gekregen‟; doch manchmal auch für Schädigungen und Verletzungen gebraucht, die garnicht so sehr leicht waren: „anno 1428 schamferden de stede vor Kopenhagen des Königs schepe‟... (Lappenberg, Hamb. Chron.) Aber in der Regel ist die Verletzung leicht und nur oberflächlich, wenigstens im seemännischen Gebrauch.  —  In den Niederlanden ist, nach einem bekannten Gesetz der Lautverschiebung zwischen l und r, schampelen aus schamperen gebildet worden. Und dieses schampelen ist in der Form schamfilen nach Ostfriesland übergesprungen und von da in die deutsche Seemann prache eingedrungen, in der sich übrigens eine Erinnerung an das ursprüngliche schamp noch in so fern erhalten hat, als man meist, wenn man genau zuhört, schampfilen hören kann. Daß i aber an die Stelle von e getreten ist mag eine Erinnerung daran sein, daß die Endung eigentlich -iren heißen müßte, die niederländisch -eren lautet.
Readham'da tam maddeyi gor →