Kardeel
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
ein, ist einer der einzelnen Teile aus denen ein Tau zusammengeschlagen wird, also ähnlicher Bedeutung wie Ducht, nur daß das Kardeel stärker und in sich schon geschlagen, aus einzelnen Teilen zusammengedreht ist. Nie der deutsch kordeel und karteel, auch kordel, wird nicht nur für den einzelnen Strang eines Taues, sondern auch für dieses selbst gebraucht: „idt is ock ein iderer schipper schüldich, gode starke kordell unde windtakel in dem schepe tho holdende, dar man des Kopmans goder mede in unde vth setten kann.‟ (Dän. Seerecht). (Nicht zu verwechseln mit einem anderen kartel, karteel, welches Quart bedeutet, ein Quartteil als Maß oder Gewichtsbezeichnung.) Französisch heißen cordage „toutes les cordes qui sont emploiées dans les agrés d'un vai eau‟. Dieser corde stammt aus dem it a lis chen cord a, vom late in is chen chorda, entlehnt aus dem griechischen chorde, Darm, Darmsaite, was an sehr alte Kulturzeit erinnert und an das alt nor disc he garnir, Eingeweide, Gedärme, mit Garn zu einer Wurzel gehörig, so daß also Garn und Kardeel entfernte Vettern sind. In oberdeutschen Mundarten heißt das, was in der hochdeutschen Schriftsprache Bindfaden genannt wird, Kordel mit kurzem e. — Ostfriesisch korde, zusammengezogen kore und kor; man liebt daselbst das Einsilbige. Niederländisch koord, koorde. — Zu bemerken ist, daß es auch Tauwerk gibt, das aus vier Kardeelen zusammengeschlagen ist, und daß also doch die Able i tung Quartdeel nicht ganz undenkbar ist. Dann wäre kardeel als Teil eines Taues, als Quartteil, ein ganz and eres Wort wie kardeel als Tau selbst. Doch spricht hiergegen die Seltenheit vierschäftigen Tauwerks und vor allen Dingen die Tatsache, daß die Teile drei schäftigen Tauwerks hauptsächlich und vor allen Dingen Kardeele heißen.
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