ösen
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 6
heißt schöpfen, au chöpfen, be sonders das Wa er aus einem Boot mit einem Schöpfer, Ösfaß genannt, au chöpfen. Schon Kilian übersetzt oozen mit haurire, und von einer Form dieses Zeitworts stammt es auch, indem es aus haustum weitergebildet ist mit geschwundener Aspiration. Das beweisen die For men mit au, in der Edda ausa, gießen; auster das Wa er das sich am Boden eines Fahrzeuges sammelt, eigentlich das Auszuschöpfende; aust-skota, das Schöpfgefäß. Es beweisen es auch die For men die bis auf heute das h des Anlautes behalten haben. Wangeroogisch und überhaupt neuniederdeutsch hozen, neuniederländisch hoosen = schöpfen, hoosvat = gieter, Gießer. — Friesisch eaze, mittelst des easfet. „Wol beslein, zei Anke de scipper, it scip forlern, ind it easfet bihalden.‟ Bei der Lüneburger Salzgewinnung heißt oseammer, osammer der Schöpfeimer und der Solschöpfer führt den Namen oser. Von Bremen bis Wangerooge heißt der unterste Rand des Daches von dem das Regenwa er auf die Erde tröpfelt oese und oesing, also Dachtraufe. Kurz im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt ösen schöpfen oder gießen; „een öse, dar dat segel mit genettet werdt.‟ Und auch im Oberdeutschen heißt Oese das Schöpfgefäß; nicht zu verwechseln mit Oese = Ohr, Henkel, Griff, denn das kommt gemäß einem bei Will mans I. 85 auseinandergesetzten Lautverschiebungsgesetze vom go this chen auso, das = Ohr ist. — Man sagt, wenn einer etwas mutwillig umkommen läßt: „er verast es;‟ das muß eigentlich heißen: „er veröst es‟, gießt es aus, verschüttet es. p.
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