Blüse
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 3
die. Neben den Leuchttürmen hatten sich lange Jahrhunderte hindurch offene Feuer an erhabener Stelle erhalten die gleichem Zwecke dienten, jetzt aber unseren modernen Beleuchtungsmitteln gewichen sind. Sagt doch schon Roeding: „Auf Blüsen brennt gewöhnlich ein Steinkohlenfeuer, da aber die Flammen de elben, wenn frische Kohlen aufgeschüttet werden, eine Zeitlang erlöscht, oder auch durch die Nachlä igkeit des Hüters, der es nicht oftmals genug auffrischt, nur ein schwaches Licht von sich wirft, so sind die Leuchttürme, auf welchen Lampen brennen, diesen Blüsen vorzuziehen.‟ Mit blasen verwandt, anblasen, anfachen, brennen und flammen machen; englisch to blush, rot werden, erröten. — Auf Wangeroog war erst ein Leuchtturm, dann eine Blüse oder Feuerbake und dann wieder ein Leuchtturm. Winckelmann hat in seiner um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts verfaßten olden burg is chen Chronik davon berichtet. „Dieses Eyland ist vorzeiten viel grö er als gegenwärtig, gewesen, solle, nach der Alten Berieht, sowohl inals auswendig des Hafens oder Strandes, durch hohe Was ser flu ten und starke Stürme, mehr als die Helfte mit der Zeit sich verloren haben, ist itzo nur eine halbe Meile lang, und eine halbe vierteil Meile breit, und denen auf der Westoder Nordseefahrenden sehr nützlich, als dah in sie sich bei Sturmzeiten begeben und vor dem Schiffbruch retten können, wie sichs dann oft begiebt, daß am selbigen Ort 40, 50, 60 und mehr große Lastschiffe zusammenkommen und sich daselbst to lang, bis das Ungewitter vorbey, aufhalten, dahero solche Stelle von den Schiffleuten pro tuti ima navium stat i one, vor einem sicheren Schiffhafen gerühmt wird. Auf diesem Eylandt sind zwo Kirchen, die eine ins Norden, ist noch vor kurzer Zeit, die andere aber ins Westen mitten auf dem Eylandt mit einem hohen dicken Turm und einem Dorf gestanden. Jene ist durch die Ungestümigkeit des Meeres in Vorjahren hinweg gangen, deren Rudera und Kennzeichen, auch zur Ebbezeit die Abteilung der Äcker und die bei den Häusern gehabte Brunnen, man noch merklich sehen kann. Die Einwohner finden jehands daselbst einige alte silberne Münze und andere Sachen. Der Ort wird sonsten Oldenoge genand, worüber nun mehr die allergro este Schiffe fahren. Der ins Westen stehende ansehnlicher dicker Turm ist im Jahre 1597 von Herrn Graf Johansen, auf der Elterleut zu Bremen schriftund mündliches Ersuchen zum besten zu erbauen angefangen und im Jahr 1602 vollendet worden; de en Kosten an Mater i alien und Handwerkslohn, ohne die Fuhren und Frohnen der Untertanen, sich auf die vierundzwanzigtausend Reichstaler belauft. Oben darauf hat eine große eiserne mit Rüben-Öhl gefüllete brennende Lampen durch 48 Fenster geleuchtet, den Seefahrenden Leuten bey tunkelen und einfallenden Sturmgewitters Zeiten, zu verhütung Schiffbruchs, die Gegend und den Ort in der See zu zeigen, daß man davon sagen mögen: Naufragus aequoreis ne Nauta periret in und is Hac facibus turri nocte docetur iter. Dieweilen aber solche Lampen durch die Fenster nicht we it in die See geschienen, und nachgehends die Feuerbaken erfunden sind; Als lä et Herr Graf Anthon Günther eine Feuerbake ins Norden auf einen Sandhügel und noch zwey und zwanzig Stuffen hoch aufrichten, und das Feuer mit Schottischen Steinkohlen von Michael is bis gegen Christ tag, und wieder gegen Fastnacht bis Ostern, alstets unterhalten, welches in die vierdhalb Meile wegs aus der See gesehen wird.
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