fieren
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 3
das Gegenteil von holen, ein Tau ablaufen la en und so den Gegenstand, der an da elbe festgebunden ist, nicht näher an sich heranholen, sondern weiter von sich entfernen. Die Versuchung liegt nahe, bei diesem Worte an feiern zu denken, das ja nie der deutsch fieren heißt; von fir = Feier, Feiertage, lateinisch feriae, Tage an denen keine Arbeit get an wird, wo die Arbeit ruht. Dieser Versuchung ist Weil and unterlegen; er schreibt: „vieren = rüsten (ruhen); den teugel vieren is, hem niet strak vasthouden, laten schieten.‟ Allerdings wird ja „geruht‟, nach gel as sen mit der Arbeit des Holens beim fieren (wenn überhaupt unmittelbar vorher geholt worden ist), aber das gibt doch nicht bei der Bedeutung von fieren den Au chlag, denn nachla en mit holen bedeutet doch noch kein wiederablaufenla en de en das man geholt hat, sondern erfordert nur, daß das Geholte festgehalten und belegt wird. Überdies braucht dem Fieren ein Holen gar nicht unmittelbar voraufzugehen, so daß schon darum nicht von Ruhe, Nichtweiterarbeiten, Nichtweiterholen die Rede sein kann. Auch verbietet sich der Gedanke von feiern von selbst, wenn wir bedenken, was das heißt: „he let en fieren‟; das heißt doch wörtlich: „er läßt einen streichen‟, und wir haben da das andere nie der deutsche Wort fieren, welches auch unser seemännisches ist, mit fern verwandt ist und streichen heißt, fahren, gehen, laufen, schießen, gleiten; firen laten: los la en, gehen la en, frei geben, Raum und Freiheit geben sich zu bewegen; in die Ferne, ins Weite gehen, nicht bleiben und haften, nicht gehalten werden, — das ist die Folge des Fierens, und das Gefierte, das nun nicht mehr gehalten wird, sackt, senkt sich, sinkt so lange bis es an der we i tig Halt und Stütze findet. Bei einer Ver hand lung über einen Seeunfall im Jahre 1564 sagte zu Bremen ein Augenzeuge aus „dat N. dat spreeth lo gelatenn, sin schip vmme geswengeth ond dat grote anker ond touwe vthgefiret, ond he, tug he, dat plichtgarde (Pflichtleine) othgestekenn und gespraken: wat wylle gy vele fireinn? wy liggen alle an der grundt.‟
Readham'da tam maddeyi gor →