schwajen

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
auch schwoien, schwojen = schwingen. Das „Bremer Wörterbuch‟ behauptet, das Wort käme von wehen her. „S wird im Niedersächsischen vielen abgeleiteten Wörtern vorgesetzt zur Verstärkung der Bedeutung, oder eine Heftigkeit der Hand lung anzudeuten; slabben von labben = auflecken wie die Hunde; swelen, Gras dörren, von welen = welken; spreden = a us brei ten, von breden. So auch holländisch: slink von link = sinister; swayen, im Winde flattern, von wayen = wehen, slikkern = naschen, von likken = lecken.‟ Wenn das richtig wäre, könnte man sagen, der Ausdruck schwajen käme daher, daß das Schiff vom Wehen (wajen) des Windes herumgedreht oder geschwungen wird. Aber einmal wird solches doch lange nicht immer vom Winde besorgt, sondern öfter noch von der Strömung, von Ebbe und Flut, in Kanälen auch von Menschen hand, und dann ist auch die ganze Bremische Behauptung von dem vorgesetzten verstärkenden s nicht richtig. In allen den angezogenen Be is pie len gehört das s vielmehr we sent lich mit zum Stamm, und die Bremer haben sich mit diesem s ebenso geirrt wie mit dem w der niederdeutschen auf wr anlautenden Wörter, von denen behauptet wird: „W vertritt in unserer Sprache oft die Stelle des äolischen Digamma und wird sonder lich oft dem r vorgesetzt, wo andere Dialekte ihn nicht kennen. Alsdann scheint es die Bedeutung des Wortes zu verstärken und demselben eine größere Heftigkeit beizulegen‟. Das verhält sich grade umgekehrt. Das w im Anlaut vor r gehört zum Stamm und ist nicht im Niederdeutschen hinzugefügt, sondern vielmehr im Hochdeutschen abgeworfen. Das Weitere hierüber s. unter Wrack.  —  Nicht von waijen kommt schwajen, sondern vielmehr von schwingen, de en Bedeutung es ja auch ganz und voll hat. Im Ostfriesischen heißt es swajen = sich schwingend und schwebend bewegen, einen Schwung, eine Schwingung, Schwenkung, Drehung, Wendung machen, und wird nicht nur von Schiffen und Fahrzeugen, sondern ganz allgemein gebraucht. Doornkaat gibt die Beispiele: „De fögels swajen dör de lücht, he swaide net, as of he 'n bitje anschaten was; de weg swaid bold na links un dan wer na rechts‟, und bemerkt dazu: „Es hat hier in swaj zweifellos ein Übergang oder eine Erweichung vom älteren g in j stattgefunden, so daß der Stamm swaj für swag steht, der selbst aber wieder aus swang ent stand... welches zu schwingen gehört.‟ Die Able i tung von schwingen dürfte richtig sein. Das o in der Schreibweise schwojen mag sich aus der ostfriesischen dunklen Au prache des a erklären, welche so ziemlich wie o klingt. Am einfachsten hat man die Frage, ob a, ob o in Groningen gelöst, da gebrauchen sie beide Vokale neb ene in an der und sagen, um keinem zu nahe zu treten, zwoaien: „Het omkeren van een vaartuig in een Kanaal; is dit smal, dan heft men het op enkele plaatsen verbreed um te kunnen zwoaien; zulk een plaats het (heißt) zwoaiplaats‟, ostfriesisch swaj-wik oder auch kurzweg swaje. — Zu dem Übergang von g in j sei bemerkt, daß derselbe sich noch keineswegs befestigt hat, vielmehr noch im Flu e ist und daß unser Seemann das g bei der Au prache noch hörbar mitklingen läßt, und zwar als pal a tales am vorderen harten Gaumen erzeugtes Reibungsgeräusch, also ähnlich wie ch.
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