Anlegen

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 1
Ein Boot legt an. Von seegehenden Schiffen sagen Seeleute nicht, daß sie anlegen im Sinne von „irgendwo ankommen‟. Es wird im Gegenteil als unseemännisch belächelt und höchstens einer Dame verziehen, wenn sie fragt: „Legen Sie auch in Monte video an?‟ schon weil man daselbst gar nicht „anlegen‟, sondern nur ankern kann. Wird ein Hafen vorübergehend besucht, so heißt es ihn anlaufen; „wir laufen Singapore an‟. Wenn man den Be stim mung sha fen nennen will, sagt man: „Das Schiff geht nach Rio‟... „ist unterwegs nach New york‟, „ist bestimmt nach Kalkutta‟, „segelt (auch von Dampfern) nach, oder be er noch: auf Valpareiso, fährt auf Yokohama‟. Englisch: bound for... und das kommt nicht etwa von to bind, binden, so daß das Schiff mit gebundener Segelordre führe, sondern heißt eigentlich boun. Das d ist angehängt entsprechend dem d in sound, von son us; isländisch buinn, von bua, bear be i ten, vorbereiten, fertig machen, verwandt mit „Bauer‟. Willing wie sought your shores, and hither bound The port so long desired at length we found. Dryden. Am Be stim mung sort angekommen, geht das Schiff vor Anker, legt sich läng eit einer Pier oder Kaje (Quai) oder „macht fest‟ an einem Bollwerk, einem Dükdalben, einer Boje. Wird ja das Wort anlegen gebraucht, so geschieht es mit dem Akkusativ: „Das Schiff legt an das Bollwerk an‟, während ein Boot an dem Bollwerk, an der Treppe, an dem Fallreep anlegt.
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