Mast

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 6
der, früher Segelbaum, Baum der die (Rahen und durch sie die) Segel trägt. Ursprünglich hieß Mast überhaupt Baum, Baumstamm, denn das angelsächsische mäst, das das älteste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes ist, bedeutet Baumstamm; die Taube nach der Sündflut setze sich auf „treoves telgum torhtum moste‟. Es ist also anzunehmen, daß Mast im seemännischen Sinne ein Wort ist, das die Angels ach sen mit in ihre neue Heimat genommen haben. Mit ihrer Sprache war die der alten Friesen, von denen viele mit übers Meer gezogen sind, nahe verwandt, es darf daher für wahrscheinlich erklärt werden, daß auch sie das Wort Mast bes aßen, und daß  —  schon im Althochdeutschen  —  von Fries land aus das althochdeutsche segilbaum durch mast wegen seiner Kürze bei den die Einsilbigkeit so sehr liebenden Seeleuten verdrängt worden ist. Segilbaum war aber ein so schönes und bezeichnendes Wort, daß es, wenigstens im Binnenlande, nie ganz außer Uebung gekommen ist; es paßte so schön zu Segelstange = Rahe, ja zu den Zeiten Piet Heyn's kam es vor, daß man für Mast selbst Segelstange sagte, was aber vielleicht Segelstänge lautete und bedeutete, also das was jetzt kurzweg Stenge heißt. „Sobald der Admiral unterde en die Top-Flagge von seiner vorderen Segelstange wehen ließ, begaben sich die sieben Chalupen in aller eil nach den vier Schiffen‟... (durchl. Seehelden II. 64.) Zeitweilig war auch das pleonast is che Maßbaum bei Seeleuten in Gebrauch, wie es von Nicht see leu ten heute noch gehört werden kann. Es wird Zeit, daß auch diese sich mit Mast begnügen, da es ja Baum bedeutet. Im Mittelniederländischen und Mittelniederdeutschen kam freilich öfter mastboom, mastbom vor; so nannte man sogar auch einen noch grünenden und wachsenden Baum, nämlich den zur Mast der Schweine dienlichen Baum, die Eiche; Beweis, wie jeder die Welt aus dem Gesichtswinkel seiner eigenen Angelegenheiten ansieht.  —  Vom Schiff aus hat sich der Mast auch über das feste Land verbreitet als Flag gen mast, Exerziermast, Signal mast. — Natürlich spielt ein so wichtiges Stück der Seemann prache auch im übertragenen Sinne seine Rolle; man denke nur an das holländische Sprichwort: „Er kunnen geene twee grooten masten in een schip syn‟ d. h. nur einer kann im Hause das Regiment führen.  —  Über Mastkorb s. Mars.
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