Deich
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 3
der. Der das Land vor der See schützende Erdwall, im Hochdeutschen, in das das Wort erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem Niederdeutschen gedrungen ist, gewöhnlich Damm genannt. Ein für den ganzen Best and vieler Länderstrecken unentbehrliches aber sehr kostspieliges Werk der Menschen hand, daher in doppeltem Sinne treffend in Ostfriesland „de golden hoop‟, der goldene Reif genannt. Das Wort ist mit Teig und mit Teich verwandt, sie stammen alle drei aus der Wurzel digh, best rei chen, ver kitten, dichten, tasten, tastend for men (aus einer weichen, schlammigen Ma e). Der Deich wird aus weicher, ausgegrabener Erde geformt. Weil diese Arbeit hauptsächlich mit dem Spaten geschieht, so hieß im alt fries is chen dyka graben, und in dem ihm so nahe verwandten Angelsächsischen dic zugleich Deich und Graben. Altfranzösisch dik, französisch digue. Die Deichgeschworenen hießen altfriesisch dikaldermon. Die Leute die einen Deich bauen heißen diker und sind bei ihrer schweren Arbeit für ihren guten Appetit bekannt, wie sonst wohl die Scheunendrescher. Es konnte in früheren Tagen die Last des Deichens einem Besitzer so schwer werden, daß er lieber sein ganzes Besitztum aufgab und in die Fremde zog. Das tat er, indem er seinen Spaten in den Deich steckte. Wer ihn herauszog, ergriff Besitz von dem verla enen Lande und trat in alle Rechte und Pflichten ein. (Spatenrecht). Naturgemäß spielt der Deich in den von ihm beschützten Ländern im Denken und im Sprachgebrauch der Leute eine große Rolle. Das beweisen zahlreiche Sprichwörter und geflügelte Worte, z. B. sagt drastisch aber wirkungsvoll einer der sich nicht hänseln la en will in West fries land: „Ik bin niet von Kraien an diek scheten.‟
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