Brise
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 3
die, jetzt für gewöhnlich gleichbedeutend mit Bö ohne Rücksicht auf die Him mels rich tung für einen plötzlich aufkommenden, scharfen, wo möglich von Schnee und Hagel begleiteten Wind. Das war früher anders. Da konnte man nicht sagen: es kommt eine Brise aus Osten auf, so wenig wie eine Zeitung die in einer Hafenstadt erscheint hätte schreiben dürfen: „Boreas blies mit vollen Backen aus Südwest‟, oder wie es auf dem Vogelsberg mit Recht gesagt werden kann: „Hier bläst der Nordwind aus allen Him mels rich tun gen.‟ Denn da wußte man noch, daß Bise Nordwind bedeutet. Althochdeutsch bîsa, mittelhochdeutsch bise, boreas; piemontesisch und provençalisch bis a, Nordwind; französisch bise. Ein deutsches Wort, das Weigand I. 223 wohl nicht mit Unrecht als „Beiß‟-Wind erklärt. — Dazu gehört italienisch bigio, provençalisch und französisch bis = grau, schwärzlich; das hängt dam it zusammen, daß man in Frankreich den Nordwind bise nannte, mit seinem altdeutschen Namen, und daß bei Nordwind der Himmel grau und schwärzlich war. Ja man dachte sich den Norden überhaupt schwarz und dunkel, denn im Altfranzösischen hieß bise geradezu nördliche Gegend, Norden.
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