Prahm
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 6
der, war ehedem ein Schiff so gut oder schlecht man es in alten Tagen hatte. Jetzt ist er heruntergekommen und wird nur noch als Kohlenprahm, Wa erprahm, Proviantprahm Munitionsprahm gebraucht um diese Dinge läng eits eines Schiffes zu bringen und zur Übernahme für da elbe bere it zu halten. Das geringste und uns che in bar ste aller Boote, kaum mehr den Namen eines Bootes verdienend, ist der Scheuerprahm, ein Seelenverkäufer, der zum Reinigen der Außenbordwand benutzt wird und nicht nur das Aschenbrödel, sondern auch gleichsam die komische Person unter den Schiffsbooten spielt, aber ebenfalls die Gestalt eines Prahms hat, breit, flach, mit einem Rand versehen. Daß der Prahm be ere Zeiten sah, erfahren wir aus dem Gudrunliede: Hagen war inde en gegangen auf einen Prahm, Noch eh' sich ihm geöffnet der wohlverschlo 'ne Kram, Da schwebten Watens Anker schon hoch ob der Welle, So schied man von dem König der Frauen holde Schar in jäher Schnelle. Legerlotz bemerkt dazu: Prahm, breites Frachtschiff, noch jetzt in Nie der deutschland gebräuchlich, dänisch pram = Fähre und Rand, altnordisch pramr, eine Art von Schiffen, mittelhochdeutsch pram, breites Flußschiff. Nach Kluge entstammt das Wort dem Slavischen, wo es ein zur in do german is chen Wurzel par gehöriges Wort pramu gibt; die Bedeutung ist die von „übersetzen‟, wie sie auch mit fahren zusammenhängt. Der Übergang aus dem Slavischen ins Nor disc he muß sehr früh, ja kann nur zu der Zeit gesehen sein, da die Slaven nicht nur Wagrien (Ostholstein) bewohnten, sondern auch die ganze Ostsee mit ihren Prähmen beherrschten und die nordischen Küsten so oft mit ihren Raubzügen heimsuchten, daß ihr Name nur mit Furcht und Schrecken genannt wurde, also um die Mitte des zwölften Jahrhunderts. Um diese Zeit trat der berühmte geistliche See held, Bischof Absalon von Roeskilde, auf, ermunterte König Waldemar den Großen — Absalon war der Größere — und sein Volk, sich zum Wider stand zu ermannen, das Joch abzuschütteln und den Wenden mit ihren eigenen Waffen zu begegnen. Er wurde so der Schöpfer einer dänischen Marine. Und wie man einst in Rom nach dem Muster eines gest rand eten punischen Schiffes eine Flotte baute, so hat auch Absalon sich die Schiffe seiner Feinde zum Muster genommen. Wie sie au ahen, wi en wir nicht genau, aber jedenfalls waren sie zum Segeln und auch zum Rudern eingerichtet. Denn als einmal die Kälte zu einem so hohen Grade gestiegen war, daß die Mannschaft, die Proviant zu den Schiffen bringen sollte, sich der Wagen nicht bedienen konnte, weil die Räder fest froren und man daher alles auf Pferde packen und diese mit großer Beschwerlichkeit zu Fuße nach dem Hafen, wo die Flotte lag, treiben mußte, beklagte Absalon die Männer und sprach ihnen sein Bedauern aus, daß sie für das Vaterland so viel Mühsal leiden müßten. Sie aber antworteten, sie trügen mit Lust ein Mühsal, welches sie dem Geschicke, als Sklaven auf den Ruderbänken der Seeräuber zu sitzen, vorzögen (vergl. Saxo Grammatic us).
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