Topp

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 8
der, in der Einzahl rich tiger: Top . Spitze, Äußerstes, Höchstes; höchste Spitze des Mastes, dann auch in der Verb in dung Vortop, Großtop, Kreuztop den ganzen be tref fen den Mast bedeutend mit allem was drum und dran ist, so daß pars pro to to genannt ist, wie man Dach für Haus, Köpfe oder Seelen für Menschen, Segel oder Kiel für Schiff sagt. Topp, eigentlich im Singular bloß Top, ist nichts and eres als Zopf, nur mit unverschobenem Anund Auslaut. Das nie der deutsche Sprachgebiet in seiner zähen Art hat die hochdeutsche Lautverschiebung von Kons on an ten welche im German is chen aus in do german is chen Verschlußlauten ent standen waren, nicht mitgemacht. Von dieser hochdeutschen Verschiebung sagt Wilmanns, daß sie be sonders lehrreich sei, „weil sie sich zum großen Teil vor unseren Augen vollzieht und genauere Einsicht in die stetig fortschreitende Änderung der Kons on an ten und die sie regelnden Kräfte gewährt.‟ „Der Beginn der Verschiebung fällt in die Zeit vom 5. bis 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung und deshalb sind ihr auch viele roman is che Lehnwörter, die bis zum 8. Jahrhundert ins Deutsche auf genom men sind, unterlegen. Von Oberdeutschland geht die Bewegung aus; die Sprache der Lan gobar den, Bayern, Alemannen und eines Teils der Franken wird von ihr ergriffen; je weiter nach Norden, um so schwächer wird die Wirkung.‟ An Top ist sie wirkungslos geblieben. Im Althochdeutschen ward die Tenuis des Anlauts durch das homogene Reibungsgeräusch von t affriziert, also von s, und so ward aus t ein z. Das homogene Reibungsgeräusch von p ist f, die Affrikation von p ist also pf. Da aber Top sich, wie gesagt, nach niederdeutscher Eigentümlichkeit an diesen Affrikationen nicht beteiligt hat, so ist es bis auf diesen Tag Top geblieben. Daß Top = Zopf aber für Mastspitze gebraucht werden konnte beweist uns, daß Zopf ursprünglich nicht das herabhängende, geflochtene Haar, sondern den „Schopf‟, das nach oben zusammengefaßte und -gebundene Haar, den obersten Scheitel (toupet) bedeute. Wenn Shakespeare sagt: „To take the present time by the top‟; so meinte er ja dam it auch nicht die Stirnlocke, sondern vielmehr den Teil des Haarwuchses, an dem man etwa einen Ertrinkenden zu packen hätte, um ihn aus dem Wa er zu ziehen.  —  Im Niederländischen heißt top so allgemein das Oberste, Äußerste, „die Krone‟ von etwas, daß man sogar vom „top van den vinger‟ spricht.
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