Abtrift
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 1
Das nie der deutsche Wort drift (Wurzel drib) heißt: 1. Viehweide, weil man dah in das Vieh treibt. 2. Eine Herde, die getrieben wird. 3. Betreiben, Trieb, Eifer, Ungestüm. 4. Das Antreiben von Schiffen und Gütern an den Strand. Eine Olden burg is che Urkunde vom Jahre 1565 sagt, dat alle angeschlagene roerlose schepe, wrack, drift und guider der hogen over i che it vor fallen sin. 5. Das Antreiben eines Schiffes an ein and eres. Ein altes Bremer Statut bestimmt: So welk man den anderen anzeghelt up ene drifft... de anzeghelinge effte de drift scal men tughen (verklaren, s. d.). Dazu das Adjectiv driftich, auf dem Wa er treibend, von Schiffen und Gütern; Bremische Urkunde von 1564: Jacob R. sy mit synem bochsprete inn ohre houwet tow gedreuen, dar her also se beide thosamende drifftich gewurden unde inn grundt gedreuen weren. — Abtrift, Abtreiben (nicht zu verwechseln mit Abfallen) ist zwar nicht so schlimm, wie denn überhaupt das Wort drift seiner schlimmsten Bedeutung nach und nach verlustig gegangen ist und jetzt eigentlich nur noch den Sinn von Bewegung hat, inde en ist doch etwas Unangenehmes, weil nicht genau Bere chen bares dabei. Abtrift entsteht nämlich wenn ein Schiff beim Winde segelt; dann kann die Richtung der Fort be we gung nicht ganz gleich der Richtung des Kieles sein, es wird stets etwas nach Lee (s. d.), nämlich nach der Seite hin abgetrieben, nach der der Wind weht. Daher bei Notierung des gesteuerten Kurses stets ein gewi er Bruchteil eines Kompaßstriches nach mutmaßlicher Schätzung als Abtrift in Rechnung gebracht werden muß. — Die Abtrift wird auch der Leeweg genannt. (s. Lee).
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