schaffen
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
seemännisch = e en. — Schaffner, Schöffe, Schoppen, Schöpfung, englisch shape = Gestalt und viel andere Wörter dieser großen Sippe kommen alle von der Wurzel skap mit der Grundbedeutung schaffen, schöpfen, ordnen. Dem alt german is chen Heidentum fehlte, wie Schade ausführt, ein Ausdruck für etwas, wovon es keine Idee hatte, nämlich für schaffen, von der höchsten Potenz dieser Tätigkeit, dem göttlichen Schaffen. Daher nahmen die Germanen, als ihnen vom Christen tum her die Schöpfungsidee kam, das Wort von einer (man kann wohl sagen kunstmäßigen) Hantierung, vom For men und Gestalten einer festen Ma e durch grabende und stechende Werkzeuge, faßte es gewi ermaßen als ein Schnitzen auf (skapjan), während der Litu slave seinen Ausdruck dafür, noch hausbackener, von den For men einer weichen knetbaren Ma e nahm, wozu ihm die tägliche Käsebereitung in jeder ländlichen Wirtschaft ein Bild gab. — Für unsern Zweck genügt es, das althochdeutsche scaffari, scaff are, mittelhochdeutsch schaffaere, schaffaer, schaffer = Schöpfer, Bildner, Hausmeister, Ver walter, Schaffner zu kennen, ein Wort das einen Mann bezeichnet, der das E en und Trinken durch Schöpfen herbeischafft und aufträgt oder auftragen läßt. Diesem Vorgange ist be griff lich verwandt das it alien is che minestra = Suppe, mine str are die Suppe an rich ten, lateinisch mini str are, bei Tische auftragen. — Hierher gehört die Bremer Schaffermahlzeit, ursprünglich eine durchaus seemännische Veranstaltung, nämlich eine Mahlzeit bei der kurz vor der Wiedereröffnung der Schiffahrt im Frühling Kapitäne und Reeder mit einander den Proviant für die au egelnden Schiffe kosteten. Schaffer heißt, nach dem Bremer Wörterbuch, der Mann, der die Anordnung und Besorgung einer Mahlzeit hat, auch überhaupt ein Verwandter des Hauses; Aufwärter bei einem Hochzeit chmause, welches aber bei den Bauern die nächsten Verwandten zu tun pflegen, wie auch die Helfer beim Begräbnis und bei dem Leichenschmaus in Groningen Ans chaffer heißen; heutzutage tragen die Schaffer bei der Schaffermahlzeit die Speisen nicht mehr auf, schöpfen sie nicht mehr aus dem Ke el, bedienen nicht mehr bei Tische, sie halten nur die Tischreden und — bezahlen das E en; nur in so fern kann man noch von herbeischaffen reden. Doch hat schaffer im Mittelniederdeutschen auch einen Mann bedeutet, der die Ka e führte; überhaupt einen, der die A us rich tung und Besorgung irgend einer Sache übernimmt, einen procurator. — Daß aber der Seemann bei der ursprünglichen Bedeutung geblieben ist und schaffen für e en sagt, erinnert einmal daran, daß in früheren Zeiten die Leute, die zusammen aßen, alle aus einer Schü el schöpften, sodann daß einer das E en aus der Kambüse herbeizuschaffen hatte, (der heute „Backs chaft‟ heißt) und endlich daß das E en eben ein wirkliches Schöpfen war, indem die Leute nicht mit Me er und Gabel, sondern nur mit dem Löffel aßen.
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