abmoien
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 1
Das nicht mit dem allgemein niederdeutschen Worte moie, Muhme, Tante, auch nicht mit moie, Mühe, Arbeit, Kummer, in Verb in dung zu bringende Adjectiv moi scheint — außer im seemännischen Gebrauch — nicht über Holland und Ostfriesland hinausgekommen zu sein. Hier ist es aber ganz allgemein verbreitet und im Sinne von schön im Gebrauch; en moie meid (holl: een mooie meisje) ein hübsches Mädchen, moi weer, schönes Wetter. Verfa er fuhr einmal in ostfriesischem Sprachgebiet durch frisches Maiengrün auf dem Rade. Da begegnete ihm ein Bauer, der mühsam etliche Schweine vor sich her trieb. „Dat is moier dan Swindriven,‟ meinte er vom Radeln. — Wenn das Wetter sehr trübe und stürmisch war und der Himmel wird klarer (klart auf, sie he aufklaren 1.) und der Sturm nimmt ab, dann sagt der Seemann „es moit ab.‟ Beide Be griffe, das Schönerwerden des Wetters und das Abnehmen des Sturmes sind in abmoien sehr treffend vereinigt; offenbar hat auf die Zusammensetzung der Präposition ab mit dem von moi gebildeten Zeitwort moien der Gedanke an das Abnehmen, Abflauen (s. d.) des Windes eingewirkt. — Die Spanier erst scheinen das jetzt so sehr eingebürgerte Wort nach den Niederlanden gebracht zu haben. Sie führten wohl als Kenner weiblicher Schönheit ihr Wort majo, zierlich, geputzt, geschmückt, viel im Munde. — Daß es mit dem Mai, als dem Monat der die Natur schmückt, zusammenhängt, muß bez we i felt werden. Das hat sich ein Dichter so zurechtgelegt; die Sprache verfährt nüchterner. Hat doch „Wonnemonat‟ nicht einmal etwas mit Wonne zu tun. Bleibt also für majo nur die Herkunft aus dem late in is chen majus, groß, hehr, ansehnlich, stattlich, übrig.
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