Jacht
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
die, eigentlich nur ein einmastiges aber schnellsegelndes kleines Schiff. Holländisch jagt: „een jagtschip voor den pronk en het gemak. Van jagen, omdat het snel zeilt, of schielyk voortgetrokken wordt; avysjagt, oorlogsjagt, speeljagt, trekjagt, Zeiljagt enz.‟ In Ostfriesland ist jachtje ein Fuhrwerk, Pferd und Wagen zusammen, so wie es sich auf der Landstraße zeigt. Auf Wangerooge jacht, mit einem Mast. Kilian: jaght = Liburnica, (Liburnen hießen die von den Illyriern erfundenen Schnellsegler) celox nav is praedatoria piratic a, myoparo, piratic us myoparo, nav is triremis form a, incredibilis celeritatis. Die Seeräuber haben von jeher gehabt und mußten der Natur der Sache nach haben die schnell sten Schiffe. — Unter dem „Schiffzeug auff der Donauw‟ das 1565 Frohnsperger anführt, kommen unter anderm vor: „weiter über die hundert guter ziemlicher ander Schiff, auch groß klein und ander Nachen, Renn und Jagschiff , so gleicher gestalt mit aller notturfft zu der Wehr und Streit gegen den Erbfeind (Türken) verordnet.‟ Eine nor disc he Expedition die 1594 von Holland aus über „Nova Zembla‟ hinaus unternommen und von Johann Huygen, einem der Teilhaber, beschrieben worden ist, best and aus drei Schiffen. „Auf dem Schiff von Amsterdam war Schiffer und Steuer Mann, Wilhelm Barentz von der Schelling, Bürger zu Amsterdam, ein erfahrener und wohl versuchter Seemann. Der hatte ein Schellinger Fischer-Jacht bey sich, ihn auf seiner fürgenommenen Reyse, wenn er etwa von den andern solte abkommen, Gesellschaft zu halten‟. Ob er diese Jacht an Deck genommen hatte? Jedenfalls führte das Admiral chiff eine Jacht an Bord mit, die ausgesetzt werden konnte. „Mittlerweile daß sie also durch das Eiß hinfuhren, sahen sie etliche Morsen oder Meer-Pferde auf den Eißschollen liegen; Einer von deß Admirals Volck schoß einen davon mit einer Kugel, und weil sie vermeynten, daß er da elbe genug getroffen, setzten sie die Jacht au , und verfolgten es so nahe, daß sie ihm noch ein Harpun in den Leib wurfen, und also eine gute Weile mit genügsamer Leine nach schlepp ten; gleichwol konnten sie es dennoch nicht überwältigen, weil es sich so gewaltig wehrte, daß es allen, die in der Jacht waren zu thun genug machte, ja gegen sie anflohe, die Hacken samt den Rudern, dam it sie wieder da elbige sich widersetzten, mit seinen Pfoten ergriff, und die Eisen gantz krum biß, seine Zähne über den Bord hin schlug, die Schuyte umzureißen.‟ Es wird also hier Jacht und Schuyt (Schute) gleichbedeutend gebraucht. Doch waren unter Admiral Piet (Peter) Heyn Jachten ganz ansehnliche Krieg chiffe. „Die Jacht der Windhund, fünffzig Last groß, mit zehn Stücken Geschütz und drey ig Boots Gesellen. Die Jacht der Hase, von sechzig Lasten, zehn Stücken und vierzig Bootsgesellen führend.‟ „Die Jacht Armuyden, von neunzig Lasten, mit zehen Stücken und vier und fünfzig Matrosen‟. „Die Jacht der David von sechzig Last, mit vierzehn Stücken, sechs Steinstücken, und zweiundvierzig Bootsgesellen.‟ Die große Jacht der Holländischen Ostindischen Kompagnie vom Jahre 1671 avo it 66 piés de long, 19 piés de large, et 6 piés de creux sous les goutieres.‟ „L'étrave avo it 9 pouces d'épais endedans, 6 pouces en-dehors, 2 piés 3 quarts de large par le bas, 2 piés et un quart par le haut, 12 piés de hauteur, 10 piés de quete; la quille 12 pouces de large et 10 pouces d'épais u. s. w. Siehe Aubin, wo auch alle übrigen Maße ausführlich angegeben sind. Die „Heere Jacht‟ die er abbildet ist ein ganz ansehnliches Schiff mit hohem stark vornüber neigendem Mast. Be merk ens wert ist, daß schon vor zweihundert Jahren das Wort französisch Yacht geschrieben wurde und daß auch damals in Holland neben Jacht, Jagt, die Form Yacht gebräuchlich war. Diese ist also nicht etwa englisch, sondern die Engländer haben den Namen mitsamt der Sache aus Holland bekommen. Daß sie sowohl, wie die Franzosen, Yacht und nicht Jacht wählten, geschah aus Gründen der Au prache, wie hätten die Engländer, wie vollends die Franzosen Jacht au prechen sollen? — In unserem gegenwärtigen neuhochdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch wird das Wort — Jacht geschrieben und leider noch immer oft Jot gesprochen — kaum anders als in diesem Sinne gebraucht: „a light and elegantly fitted up ve el, used either for pleasure trips or racing, or as a ve el of state to convey kings, princes etc. etc. from one place to another by sea. There are two distinct species of yacht: the mere racer with enormous spars and sails and deeply-ballasted hull, with fine lines, but sacrificing everything to speed; and the elegant, commodious, well-proportioned travelling-yacht, often with steam propelling machinery, fit for a voyage round the world.‟ — Daß aber diese Art Schiffe und ihr Name aus den Niederlanden nach England kamen, beweist eine Stelle aus dem berühmten Diary des Evelyn, der unter König Karl II. von England lebte und schrieb: „I sail'd this morning with his majesty in one of his yachts , (or pleasure-boats), ve els not known us till the Dutch E. India Company presented that curious piece to the king‟, de en Nichte Maria mit Wilhelm III. von Oranien sich ver heir a tete und mit ihrem Gemahl später (1689) den englischen Thron bestieg. Roeding (1794) beschreibt Bauart und Takelage der Jachten und fügt dann hinzu: „Man gebraucht die Jachten, die sehr schnell segeln, auch Nach rich ten, Paquete und Briefe von einem Ort zum andern zu bringen, und solche nennt man Advisjachten und Postjachten. Etliche Städte und große Herren unterhalten auch Jachten zu ihrer Be lust i gung, die man Herrenjachten oder Spieljachten nennt.‟ — Es ist bei der Erklärung festzuhalten, daß jagen zunächst nicht „auf die Jagd gehen‟ bedeutete, sondern sich schnell vorwärts bewegen, eilen, rasch laufen, wie es ja auch heute noch gebraucht wird; daher jach, jäh, jählings. Graff vermutet, das althochdeutsche jag on könne eine aspirirte Form von agan sein, was dann mit dem got is chen ogan, timere, und agian, terrere, verwandt wäre, sowie mit dem althochdeutschen egi, tim or. Dann wäre Aegir (Oegir), der Meergott, ein Jäger, einer der die Elemente Wa er und Luft im Sturm vor sich herjagt. — Früher gab es im Niederdeutschen auch die Form jageschip für schnelles Seeräuberschiff; „see rovers mit klenen jageschepen.‟
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