Routine
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
die, die Zeiteinteilung, Ordnung des Tageslaufes, genaue Be stim mung, was an einem Tage, wann und in wie langer Zeit es zu geschehen hat. Diese Bedeutung hatte das Wort ursprünglich nicht; weder im Late in is chen, noch im It alien is chen, noch im Französischen. Es kommt von rumpere brechen; davon via rupta ein gebrochener Weg, das Gegenteil von einer gebrochenen Linie, indem der Weg möglichst gerade und direkt durch Felsen gebrochen worden ist, wie die Donau entlang am Eisernen Tor, also eine Kunststraße im Gegensatz zu den Karawanenwegen der Elfenbeinträger in Afrika, wo sich der Pfad um jeden Stein, der im Wege liegt, herumschlängelt. Von demselben Worte stammt italienisch rotta, spanisch, portugiesisch, provençalisch rota, altfranzösisch route, Bruch, Bruchteil, Abteilung eines Heeres, ein Trupp Soldaten, eine „Rotte‟; dann überhaupt einen Bruchteil einer größeren Versammlung bezeichnend, wobei der Bruch aus dem Bewußtsein geschwunden und nur der Teil geblieben ist; davon „sich zus am men rotten.‟ — Unser seemännischer Sinn von Routine ent stand durch folgende Bedeutungsentwicklung. Auch bei via rupta ging, als man via wegließ, doch nicht etwa die Bedeutung Weg (vergl. die Entstehung von Straße aus via sax is quadrat is strata, wo strata doch verhältnismäßig das unbedeutendere Wort in der Verb in dung darstellt), sondern vielmehr die Bedeutung „gebrochen‟ verloren, so daß route, wie man für rupta sagte, bald ganz allgemein für Weg im Gebrauch war; zunächst im Sinne von zurückgelegtem Weg, durchwanderter Strecke; daher portugiesisch rota, Lauf des Schiffes; dann auch für eine noch zurückzulegende Strecke. Ein Mann aber, der des Weges kundig war, hieß routier. Und davon ist erst routine gekommen. Es bedeutet zunächst nur durch Übung erlangte Kenntnis des Weges. Dann bald bloß Übung, Gewandtheit, Geschicklichkeit, Kenntnis, Pfiffigkeit, Routiniertheit. Demnach ist Schiffsroutine nicht nur der Wegweiser für den Tageslauf, sondern auch der Weg selbst, auf dem die Schiffsmannschaft durch richtige Einteilung und Ausnutzung der Zeit die nötige Übung und Gewandtheit im Schiffsdienste erlangen kann. — Eine richtige Routine — in der Schule sagt man Stun den plan — auszuarbeiten ist eine schwere Sache, bei der sehr viel zu berücksichtigen ist; sie liegt in den Händen des Ersten Offiziers.
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