Schiff

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
das, hat vom Einbaum bis zum Linienschiff so viele Wandlungen durchgemacht, daß es vermes sen wäre, mit wenigen Worten sagen zu wollen, was ein Schiff sei. Wir fragen daher nur nach der Herkunft des Namens „Schiff‟. Es ist behauptet worden, es läge ihm ein vorauszusetzendes gotisches Zeitwort skip an zu Grunde, etwa mit der Bedeutung, „hohl machen‟. Es ist auch nicht zu leugnen, daß das Wort den Eindruck macht, als habe in frühesten, in do german is chen Zeiten die Stammsilbe den Vokal i getragen. Inde en verschieben sich Vokale leicht, und gerade Schiff hat einen reichen Wechsel zwischen a, e, i und sogar io aufzuweisen. Da ist 1, das hochdeutsche Schiff, 2, das niederländische scheep, 3, das alt fries is che skapp, 4, das gädhelische sgiob. Zu 1, gehört mittelhochdeutsch schif, althochdeutsch scif, gothisch und altnordisch skip, angelsächsisch scip, englisch ship, altsächsisch skip, neuniederländisch in der Einzahl schip, dänisch skib, französisch esquif (Boot). Zu 2, die neuniederländische Mehrzahl von schip, schepen, mittelund altniederländisch scheep, mit tel nie der deutsch schep, schepen, scheper, althochdeutsch scef, scefsaufi, scefsaufig-schiffbrüchig, lettisch skepe. Zu 3, bretonisch skaf, gädhelisch scafa, griechisch skafos. Wenn wir nun in so verschiedenen Sprachen in dem Worte das wir Schiff nennen anstatt des i oder des e den Vokal a finden, so kann es nicht allzu kühn sein, auf eine vor german is che Wurzel skap und auf das althochdeutsche skapjan als Ursprung zu schließen. Dieses letztere Zeitwort skapjan heißt schaffen. Allerdings nicht in dem Sinne des biblischen Schöpfungsberichtes: „etwas aus nichts ins Dasein rufen‟, sondern gemäß dem altgermanisch-heidnischen Schöpfungsgedanken: „aus rohem Stoffe etwas zu einer Gestalt herausbilden‟. Und zwar geschah solches Herausbilden aus dem Urstoff nach german is cher Vors tel lung durch „schaben‟. (s. schaffen = e en). Holz war der Stoff an den man dachte. Skapjan heißt, mit irgend einem Werkzeug in Holz arbeiten und aus Holz etwas hers tellen, „schaffen‟; heißt durch A us ste chen, A us graben, Aushöhlen, Schnitzen, Schneiden, Glätten, Hobeln, Schaben einen Baumstamm zu einem Boot gestalten und umschaffen. Das war zunächst nur ein Einbaum, aber so fing eben der Schiffbau an. Und eben darum findet man bei den alten Deutschen so häufig eine Zus am mens tel lung von Schiffen und Leichen und eine gewi e Gleichstellung von Schiff und Sarg, weil das Schiff sowohl wie der Sarg ein Einbaum war. So einfach die Sache ursprünglich war, so einfach, aber naheliegend war das Wort dafür aus der Tätigkeit bei der Hers tel lung der Sache zu finden. Eine zwar ebenso einfache, aber doch lange nicht so geistreiche Bezeichnung von Schiff ist vai eau, provençalisch vai el, englisch ve el, italienisch vascello vom late in is chen vas, vasculum = Gefäß. Das „Bremer Wörterbuch‟ glaubt die Sache dam it abgetan zu haben, daß es schrieb, Schiff komme von schieben, „weil die ersten Schiffe, deren sich eine Nation bedient hat, ohne Zweifel kleine Schiffe waren, welche mit Stangen fortgeschoben wurden‟. Diese Erklärung ist um weniges be er als die scherzhafte, die vom schiefen Bau redet.  —  Die Ausrüstung etc. etc. eines Schiffes hieß mit tel nie der deutsch eskipasje; daraus ist das französische Wort equipage geworden.  —  Hier eine kurze Übersicht über die Benennung der Schiffe wie sie gegenwärtig üblich ist. Bei den Segelschiffen wird die Unterscheidung nach der Art der Takelage getroffen. Ein Vollschiff hat drei vollgetakelte d. h. mit Rahen versehene Masten; eine Bark , die be sonders stark vert retene Art von Segelschiffen für große Fahrt, hat Groß- und Fockmast mit Rahen, den Be san mast aber mit Schratsegeln, eine Schunerbark hat Masten wie eine Bark, aber an Groß- und Fockmast keine unteren Rahesegel sondern Gaff else gel, eine Brigg hat Groß- und Fockmast, vollgetakelt und am ersteren noch einen Besan, der aber Briggsegel heißt; eine Polackerbrigg , s. d., eine Schunerbrigg oder Brigantine ist wie die Schunerbark get a kelt, doch ohne Be san mast, ein Dreimast-Mar egel-Schuner hat den Fockmast vollgetakelt und der Großmast ist gleich dem Be san mast, ein Dreimast-Gaffel-Schuner hat drei Be san mas ten, die aber Schunermasten genannt werden; ein Dreimast-Topsegel-Schuner ist gleich dem Dreimast-Gaffel-Schuner, nur daß sein Fockmast Marsund Bramrahen führt; ein Mar egel-Schuner hat den Fockmast vollgetakelt und einen Schunermast; ein Topsegel-Schuner hat zwei Schunermasten, von denen jedoch der Fockmast Marsund Bramrahen führt; ein Gaffel-Schuner hat zwei einfache Schunermasten mit Gaff else gel und Gaffeltopsegel und ist der eigentliche, richtige, we it ver brei tete, leicht zu handhabende Schuner, wie er mit wenig Bemannung die weitesten Fahrten unternimmt. Die Engländer nennen ihn fore and aftschuner, weil beide Masten gleich get a kelt sind, und so kann man ihn auch bei uns nennen hören; ein Cha e-Marée s. d.; ein Lugger s. d.; ein Kutter s. d.; ein Slup s. Schaluppe .  —  Außerdem gibt es Viermastschiffe , und zwar Viermast-Vollschiffe mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, von jigger, „a small square sail on a mast and boom at the stern of a boat,‟ man würde also Treibermast sagen können; Viermastbarkschiffe mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und Be san mast; und Viermastschuner , ebenfalls mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und Be san mast. Und sogar zu Fünfmastschiffen hat man sich verstiegen, nämlich zu Fünfmastvollschiffen , Fünfmastbarkschiffen , Fünfmastschunern ; als Namen für die Masten der ersteren sind in Vorschlag gebracht Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Achterkreuzmast; für die beiden letzteren Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Be san mast. —  Die Krieg chiffe werden bei uns zur Zeit eingeteilt in Linienschiffe, Küstenpanzerschiffe, Große Kreuzer, Kleine Kreuzer, Panzerkanonenboote, Schulschiffe, Spezialschiffe, Torpedofahrzeuge.  — Über die Benennung der Schiffe nach der Anordnung ihrer Decks s. Deck.
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