Ochsenauge
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 6
das, war vor hundert Jahren für nichts and eres im Gebrauch als für eine Öffnung, die man bei dickem Wetter in den Wolken sieht, ein Stückchen blauen Himmels bei sonst grauer Bedeckung. Roeding meint, durch solch eine Öffnung habe sich der Wind einen Weg gebahnt und man bekomme ihn daher oftmals kurz nachher von der Seite, wo sich diese Öffnung zeigt. „Wenn ein Ochsenauge der Sonne gegenüber steht, so hat es die Farben eines Regenbogens, und alsdann nennt man es auch eine Wettergalle. Steht es aber bei der Sonne, so ist es gewöhnlich ein Vorbote von schlechtem Wetter.‟ Seit uralten Zeiten waren große Augen bei den Frauen für schön geachtet, daher das berühmte boopis im Late in is chen wiedergegeben werden konnte mit „grand i bus oculis praedita.‟ Es lag nahe, einen solch freundlichen Himmelsblick ein Auge zu nennen, daß es gerade ein Ochsenauge sein mußte, zeugt davon, daß unter unsern Seeleuten schon im 18. Jahrhundert sich junge Leute befanden, die die Bänke hoher Schulen gedrückt und mit dem ver meint lich freien See leben vertauscht hatten. — Heute heißt in beg rif flic her Anlehnung an diesen Gebrauch von Ochsenauge ein kleines, rundes, wenig aber doch immerhin etwas Licht spendendes Stück Glas, das in einer Kammer die Stelle eines Fensters vertritt, sei es, daß es von oben durch das Deck, sei es, daß es von der Seite durch die Bordwand leuchtet, Ochsenauge; englisch bull's eye, daher auch bei uns meist Bullei genannt.
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