Pegel

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 6
der. Maß zum Me en des Was ser stan des bei Meeren, Seen, Flü en. Es bedeutet im Mit tel alter ganz be sonders ein Maß zum Me en von Getränken, wobei die me ende Skala an der inneren Wand des Trinkgefäßes angebracht war. Das von einigen Gelehrten Ende des 18. Jahrhunderts herausgegebene „Bremer Wörterbuch‟ bemerkt hierzu: „Vor Zeiten bedeutete Pegel ein gewi es Maß flü iger Sachen. Nächstdem nannte man hier auch also einen in wend i gen Ring einer Kanne, der zum Abme en des Trunkes bei den Gelagen diente. Unter den Meisterstücken der hiesigen Zinngießer ist noch jetzt eine Kanne mit Pegeln gebräuchlich. Da eine solche Kanne mit verschiedenen der glei chen Ringen versehen gewesen, so hatte ehedem ein jeder der Saufbrüder grade bis auf einen solchen Ring, ohne abzusetzen, trinken mü en. Hatte er diesen verfehlt, so war er genötigt, zur Strafe auf den folgenden zu trinken. Wobei der ziemlich unhöflic he Zuruf gewöhnlich gewesen: Suup up den Pegel, du Flegel! Daher sagt man auch noch: enen goden Pegel supen, einen guten Trunk verstehen können, ein großer Säufer sein.‟ Daher also stammt der Ausdruck picheln für Trinken. Man sieht, die Deutschen befleißigten sich von jeher des Trunkes nach allen Regeln der Kunst. Doch tat der Pegel gute Dienste beim Einschenken, indem man, wie bei den Kindersaugflaschen, durch die Striche an der Wand genau den Inhalt des Gefäßes sehen konnte. So konnte jeder wi en, ob er für sein Geld auch sein rechtes Maß bekam. „Sed to, ys dat recht getappet? Is dar doch ein gantz pegel weggeschnappet‟, beklagte sich im Mit tel alter ein Meck len burger beim Wirt. Ebendaher stammt auch der Vers: „Is it ein mester, moet man en firen, so moet he am ersten sinen pegel utliren.‟ Der alte Kilianus Duffläus erklärt peghel mit capacitas sive mensura vas is; peghelen mit metiri, men sur are und sagt auch schon öfters peylen anstatt peghelen (s. peilen). Nordfriesisch heißt Pegel nicht nur ein Maß an oder in einem Trinkgefäß, es kommt der Ausdruck auch beim Kornme en vor. Also ist die Bedeutung ganz allgemein die eines Maßes. Die Ver wan dts chaft mit Beil ist wahrscheinlich. Beil hieß altnordisch biegel, althochdeutsch pigil und heißt in Bayern heute noch Beichel. Man hat sich also die Sache so zu denken, daß ursprünglich die Maße am Rande des (hölzernen) Gefäßes Einschnitte oder Kerben, mit einem Beile gehauen, waren.
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