scheren

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
1. teilen, abteilen; daher bescheeren, jedem sein Teil geben. 2. eine Leine scheren, dadurch einen Raum von einem andern abteilen; kann auch durch eine Bretterwand geschehen. 3. au cheren, sich von der bisherigen Richtung scheiden, trennen von einem Schiffe, von den unteren Wolken. 4. schneiden (mit der Schere); die Haare scheren, Tuch scheren. 5. mähen, Gras scheren, Rasen scheren. 6. sich bekümmern um, sich Mühe machen um — „Was schert mich Weib, was schert mich Kind‟... 7. gehen, eilen, laufen, sich eilig entfernen, sich plötzlich von einer Gesellschaft trennen: „scheren Sie sich zum T...!‟ 8. in einer Weberei Garn scheren. Nur die drei ersten Bedeutungen sind in der Seemann prache gängig; und zwar ist 2. dah in erweitert, daß „ein Tau scheren‟ nicht nur gebraucht wird wenn dadurch ein Raum abgeschoren werden soll, sondern ganz allgemein, z. B. Wäschejollen scheren, wobei allerdings zu bedenken ist, daß durch jedes Scheren eines Taues schließlich der Raum in zwei Teile geschieden wird. Die Grundbedeutung ist „abscheiden‟. Althochdeutsch sceran, mittelhochdeutsch schern; altnordisch sker a, angelsächsisch sceran, im Alt fries is chen, wo das Wort eine zahlreiche Ver wan dts chaft hat, sker a.  —  Die nordischen Scheren bedeuten geteilte, von einander schroff „geschiedene‟ Felsen, vergl. norwegisch skjera, schwedisch skära, dänisch skjäre.
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