Kaje
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
(Kai), die. Nicht bloß eine Küste oder ein Gestade, auch nicht bloß Ufer und Ladeplatz an sich, sondern eine von Menschen hand durch ein Bollwerk oder eine Mauer befestigte und für seemännische Zwecke bequem gemachte Was serk ante. — Spanisch cayo, altfranzösisch caye, französisch quai, Damm an Flü en, Deich. Niederländisch kaai, englisch kay, nie der deutsch Kaje, welche Form als die beste, bequemste und brauchbarste wieder eingeführt zu werden verdiente, wenn nicht überhaupt „der Staden‟ (s. d.) den Vorzug verdient. Das „Bremer Wörterbuch‟ gebraucht au chließlich die Form Kaje, sie ist also vor hundert Jahren schriftdeutsch gewesen, und aus dem Munde unserer Seeleute ist sie ohnehin nie durch „Quai‟ verdrängt worden. Kilian hat die ähnliche Form, in der Au prache aber wie Kaje lautend, Kaeye = lit us, ora; es ist also ein altes, gutes, deutsches Wort. Wenn es auch aus dem Kelt is chen stammt, so ist es doch unserem Seemann schon vor unvordenklichen Zeiten in Fleisch und Blut übergegangen. Dietz nimmt an das kymrische Wort cae, Zaun, Umzäunung, bretonisch kae, auch Deich, sei die Grundbedeutung, und Diefenbach (Celtic a 116) bestätigt das. Und zwar kommt das Wort von einem kelt is chen Namen, der ursprünglich Jagd bedeutet (daher italienisch und rätisch caccia, spanisch, portugiesisch caça, französisch cha e), dann Jagdgehege, hernach überhaupt einen durch einen Zaun eingeschlo enen Raum, einen Haag; bald auch Zaun überhaupt; so im Kymrischen cae = hedge, im Breizonek kae = Haag. Daraus wird dann im Breizonek Wallmauer, also schon ganz unser Fall. Kaje war also anfangs keine Mauer, sondern ein Zaun, der nach und nach von immer stärkeren Pfählen gebildet wurde, bis allmählich unser Bollwerk daraus wurde. Daß eine Mauer nicht notwendig zu einer Kaje gehört wird bewiesen dadurch, daß man ausdrücklich von einer Kai- Mauer spricht, wenn man eine solche bezeichnen will. — Der Übersetzer der „Durchlauchtigsten Seehelden‟ 1681 hat im Hochdeutschen durchgängig die Form „die Kay‟, z. B. wo er von der mißlungenen Unternehmung der Franzosen auf Ostende spricht (1628): „In dieser Gestalt kamen sie an die Kay, au erhalb der Stadt, allda stiegen sie über die Fehr und andere Schiffe, die in den Haven lagen‟...
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