Fregatte

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
jetzt ein großes, vollgetakeltes Krieg chiff, de en Gestalt und Größe sich aber bei dem Wechsel der Benennungen wie von Schiffen überhaupt, so be sonders von Krieg chiffen nicht genau angeben läßt. Bis vor Kurzem hießen in der deutschen Marine diejenigen Schiffe Fregatten, die vor zwanzig Jahren gedeckte Korvetten hießen und die man jetzt „Große Kreuzer‟ nennen könnte, wenn sie nicht Schulschiffe wären und hießen, „Stein‟, „Moltke‟, „Gneisenau‟ etc. etc., also Vollschiff mit Batterie deck. Aber so wars nicht immer. Leon hard Frohnsperger in seinem „Kay ser lichen Kriegßrecht‟, 1565, führt alle zehn Arten von Schiffen auf die damals zu einer Armada gehörten: Zu be erem verstandt und gemeiner eynleitung wirdt solches hiemit ungefährlichen nachfolgender gelegenheit zu halten fürgenommen, demnach ein oberster Kriegßherr oder Potent at, stattliches oder geringes vermögen, darzu in die nehe oder weite, auch lang oder kurtz mit einer Armada zu verrücken, willens oder vorhabens ist, so wirt ein jedes Schiff, so zu der Wehr gericht, mit seim eigen und be sonde ren Schiffherren oder Hauptmann, sampt der not wend i gen Personen zu jeder sachen tauglich, auff nachfolgender monier, art oder gattung, versehen, etc. Erstlich erfordert ein Armada vor allem, zu dem wenigsten ein groß gewaltigs Lastschiff, in oder bey welchem sich der öberst sampt sein verordneten Kriegßrähten, meistes theils eigner Person pflegt zu erhalten, derwegen solches vor allem mit gutem Kriegßvolck, Geschütz, Munition und Profandt nach notturfft, auch zu der Gegenwehr mit wider stand versehen. Zu dem andern, so folgen aller nechst bey solchem etliche gro e streit Schiff, welche gleicher gestalt in ziemlicher grö e, vor den Galeen zum Schiff streit, Sturm oder Schlachten, mit gutem Geschütz, Kriegßvolck, Munition und ander notturfft, so denn zu dem schertz gehört, oder der sachen gemäß und tauglich, auch nach notturfft versehen werden, etc. Zu dem dritten, folgen auff solche der gro en Galeen oder Galleatzen, welche auch nicht minderer gestalt dann hie oben vernommen, zu der Wehr und streit mit gutem Geschütz und dero zugehör, nach dem besten mit aller notturfft versehen. Zu dem vierdten, folgt weiter bey solchen der geschnebelten gro en Galleen, welche mit guter Ruder Ordnung so zu dem nachtrieb, angriff oder lauff, auch sonst mit aller notturfft seiner art, nach dem besten versehen. Zu dem fünfften, so wirt auch neben oder bey solchen, der gar gro en und hohen Galeen geschiffet, aber doch nicht so groß als die streit Schiff, welche vor andern zu dem Sturm und streit dienstlichen angeführt, auch mit aller notturft demnach verordnet werden. Zu dem sechsten, werden auch daneben andere gro e Schiff, welche etwan Mathonen [1] genannt, mit geschiffet, so auch gleicher gestalt zu dem Feind mit Geschütz, Wehr und streit all erm as sen versehen, zur neben Profandt und ander Kriegßrüstung, darinn und mit fort gebraucht mag werden. [1] Wenn wirklich damals die Galeeren Mattonen hie en, so hat sich doch diese Bezeichnung ziemlich bald darauf eingeschränkt auf einen Teil einer Galeere, und noch dazu einen gar nicht be sonders wichtigen oder hervorragenden Teil. Im vorigen Jahrhundert hie Matt one nur „ein Tau, das an einen am untersten Ende des Carro be find lichen Ring befestigt wird, und vermittelst welches man die Rahe nach hinten oder nach vorne zieht, wenn man das Segel wenden will‟. Natürlich handelt es sich um eine late in is che Rahe, deren unterer Teil eben Carro hei t. Zu dem siebenden, werden nachfolgend gro e raub, jag und Rennschiff, auch zu gleich mit gutem leichtem Geschütz, und der Land oder Wa er art und gelegenheit erkündiget, mit Kriegßleuten wol besetzet, durch welche der Gegenteil oder Feind erstmals ersucht, zu Scharmützeln auß und an zu reitzen oder umbzuschweiffen, abgefertiget werden. Zu dem achten, folgen auch einer Armada, groß, lang, tieff, we it Nachen, so aller ma en und gestalt nach notturfft zum Streit, Krieg und Wehr, wie andere, mit geführt, und nach notturfft in wider stand gerüst und versehen werden. Zu dem neundten, werden erklärter ma en mittel und ander klein Nachen, welche auch etwan Rahaten genannt in ziemlicher anzal mit geführt, in welchen auch nicht minder allerley nottürfftige Kriegßrüstung, neben zu schiffen, mit verordnet und geführt werden. Zu dem zehenden, werden ander art oder gattung aber noch kleiner Schiff, welche etwan Strazapinen auff Spannisch genannt unter solchem Zeug mit zu führen verordnet, darzu noch weiter ein ziemliche notturfft Zillen, Kannen oder We idling, [2] auß oder in welchen von einem in das ander zu fahren oder kommen ist, solche werden aber doch fast neben andere so was groß, angehenckt, mit und fortgebracht, etc. [2] Kommt, wie Zille, nur im oberdeutschen Sprachgebrauch für Boot vor; ob ursprünglich korbartig aus Weiden geflochten? Zu oberzeltem schiffen werden noch mehr art oder Geschlecht vernommen, welches zu lang alles nach notturfft oder ein jedes in sonder he it auszuführen ein überfluß, dieweil sonst ein jedes mit seinem eigen Namen, Fanen oder Panier, zu einem gemerck underschiedlichen verzeichnet, darmit eins vor oder gegen dem andern erkennt und gebraucht mag werden, zu dem so fehrt jede gattung nach der Armada gebrauch darzu, etwan mit aufrechtem oder außgesteckten Fendlein in ziemlicher weite von dem andern, doch in guter bequem und tauglicher Schiff und Zugordnung, welche der zal nach nicht wol müglichen underschiedlich zu erklären, dann ein Schiff etwan über drey, vier odert fünffhundert Personen, so hergegen ein schlechtes nit halb sovil, minder oder mehr, sampt anderer notturfft pflegt zu ertragen, etc. Auf fallen der weise ist hier nicht von Fregatten die Rede, wiewohl Frohnsperger doch sonst mit mittelländischen Seemannsausdrücken be er bekannt ist als mit niederdeutschen. Dagegen führt er unter den Schiffen die „auff der Donauw‟ fahren eine Fregaten auf, und zwar als „nit so vollkommenlich und starck als ein Bergantin oder ein Fusten‟, also nichts Hervorragendes.  —  Auch hundert Jahre später (1681) in den „Durchläuchtigsten Seehelden‟ bedeutet Fregatte noch nicht das große Krieg chiff späterer Zeiten, sondern ungefähr das was wir heute einen Aviso nennen. Da lesen wir nämlich bei Gelegenheit der Beschreibung der Seeschlacht von Lepanto: „Und als sie nun die Standarte des Verbündnü es, welche in der Mitten ein Creutz hatte, zum Zeichen des Streites aufgestecket, wolte er (nämlich der Oberbefehlshaber „Don Jan‟, Don Juan d'Austria) noch einmal in Person die ganze Flotte durchsehen, und nachdem er benebenst Louis de Cordon a und Johann Sora, auf eine schnelle und leichte Fregatt sich begeben, gantz in wei en Waffen, und ein Christen-Bild in seiner linken Hand haltend, hat er aller Orten den Leuten einen tapffern Muth zugesprochen‟... Aubin (1702) unterscheidet: Frégate legére: „C'est un vai eau de guerre, bon voilier, qui n'a qu'un pont: il est ordinaire ment monté depuis seize jusques à vingtcinq piéces de canon‟. Frégate d'avis: „C'est un petit vai eau qui porte des paquets et des ordres à l'armée. On s'en sert au i pour aller recon noître les vai eux‟ Frégat on: „Cest un bâtiment Vénitien commun sur le golp he Adriatique, coupé à coupe quarré et qui porte un artimon, un grand mât et un beaupré.‟  —  Roeding (1794): „Ein drey mas tiges Krieg chiff, welches weniger als fünfzig Kanonen führt. Die Fregatten sind überhaupt scharf gebaut und zum Schnellsegeln eingerichtet. Sie mü en dabei in sonder he it die Eigenschaft haben, gut beim Winde zu segeln, und auch bei schwerem Winde See halten zu können, weil sie hauptsächlich zum Kreuzen bey einer Flotte gebraucht werden, oder die Bewegung des Feindes auszukundschaften, Depeschen zu überbringen, Kauffahrer zu convoyieren und der glei chen mehr.‟ Also ganz Aviso.  — Fregatte ist also in Bezug auf Gestalt, Bauart, Takelage u. s. w. eine nicht agende Bezeichnung und heißt eigentlich weiter nichts als Schiff. Ein solches wird italienisch basti men to, etwas Gebautes, genannt. Mit demselben Rechte oder noch größerem kann man es etwas Gezimmertes nennen, und das tut Fregatte, denn es kommt von fabric or, zimmern; fabric at a, zusammengezogen farcata, fracata, italienisch fregata, spanisch fragata, portugiesisch fragata, holländisch fregat, dänisch fregat, schwedisch fregatt, englisch frigate.  —  Aus der neuen Dienstgradbezeichnung der deutschen Marine, Fregattenkapitän, Oberstleutnantsrang, Mitte zwischen Korvettenkapitän und Kapitän zur See, kann man ungefähr erkennen, wie hoch eine Fregatte an maßgebender Stelle eingeschätzt wird: höher als eine Korvette und niedriger als ein (von einem Kapitän zur See geführtes) Linienschiff.
Readham'da tam maddeyi gor →