streichen
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 8
wird seemännisch in der weiteren Bedeutung des niederdeutschen Zeitwortes striken gebraucht; angelsächsisch strikan, altenglisch striken, englisch strike, alt nie der deutsch strijken, althochdeutsch strichen, altisländisch strinka, mittelhochdeutsch strichen, strichen lazen = in Bewegung setzen. Striken bedeutet allgemeiner als das hochdeutsche „streichen‟ irgend eine beliebige Bewegung nach irgend einer beliebigen Richtung hin. Im Seemännischen kommt eine Bewegung nach zwei Richtungen hin in Betracht, eine abwärts und eine rückwärts. Abwärts wurden früher die Segel gest richen, indem man als Zeichen der Unterwerfung, als Eingeständnis der Niederlage die Rahen fallen ließ, so daß die Segel von selbst mit nied erg in gen. Da man jetzt im Gefecht keine Segel mehr führt, so streicht das besiegte Schiff seine Flagge, d. h. es holt sie nieder. — Rückwärts werden die Riemen bewegt auf das Kommando: „Streich!‟ Teils streicht man an Back bord, wenn das Boot sich rascher, als das Ruder es bewirken kann, nach Back bord drehen soll, teils am Steuerbord, wenn es sich um die entgegengesetzte Richtung handelt; teils an beiden Seiten, wenn die Fahrt des Bootes plötzlich aufgehalten oder in eine rückläufige Bewegung geändert werden soll. — Im Mittelniederdeutschen kam striken auch wohl ohne Objekt vor, so daß es une ntsc hi eden bleibt, ob Segel oder Flagge gest richen wurden, so allgemein bedeutete es „sich gefangen geben‟ Lübische Chronik: „Pawel sprack tho dem Lombarder, he scholde striken und geven de goder van sich‟, daher denn auch striken ganz allgemein als „nachgeben, klein bei geben‟ gebraucht wurde. 1530: „De heillosen papen weren so trotzig, dat se vor gades wort endlick nicht stricken wolden, sundern bleven jummer stiff by eren dingen‟; (Lüb. Reformationsgeschichte). So gut streichen bedeutet „aufhören zu kämpfen,‟ so gut könnte es auch bedeuten „aufhören zu arbeiten,‟ und wir hätten, wenn wir das Wort in diesem Sinne gebrauchen wollten, einen deutlichen deutschen Ersatz für das Fremdwort striken, die Arbeit einstellen, womit allen Mißhandlungen de elben bis hin zum „Stricke machen‟ ein Ende bereitet wäre; es wird ja ohnehin manchmal schon streiken geschrieben, und manchmal wird mit dem striken dem Arbeitgeber gewiß ein böser „Streich‟ gespielt. — Dieses Streichen wirft auch das richtige Licht auf das Wort Zapfenstreich. Die Segel streichen heißt aufhören mit kämpfen, den Zapfen streichen heißt aufhören mit zapfen, so daß der Wirt also den Zapfen zumacht und den Gästen Feierabend gebietet.
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