Geien

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
nennt man die Tätigkeit die mittels der Geitaue (s. aufgeien) ausgeübt wird, wenn man stehende Segel die geborgen werden sollen hochzieht, zusammenfaßt und durch die Gei- (und andere, sie he Nockund Bukgordings) Taue so zusammengefaltet hält, daß sie von den auf den Rahen a us lie gen den Matrosen mit den Händen gerafft und festgemacht werden können. Der Sinn und Begriff des Zeitwortes geien ist durch das, wie es scheint von Bobrik verschuldete, Hineinspielen von Geik, Geichel, Geiktau getrübt worden. Geiktau und Geitau sind aber durchaus verschiedene Wörter, wenn auch das Geiktau bei einem Gieksegel die Stelle eines Geitaus vertreten kann und wenn auch Breusing gemeint hat, man mü e wegen des schwedischen giga unser geien geihen schreiben, da doch das Schwedische auch von Geiktau beeinflußt sein kann.  —  Unser geien müßte vielmehr eigentlich gaien geschrieben werden, wie es auch meistens gesprochen wird. Nun gibt es ein niederdeutsches Zeitwort gaden das sich zusammenfügen, zusammenkommen, vereinigen, verbinden, aneinanderschließen bedeutet. Und davon gab es schon bei Kilianus eine Form gayen, die unserem geien sehr nahe kommt, wie denn auch heute noch das Nie der deutsche gerne zwischen zwei Vokalen das d a us fallen und mit einem iy- oder j-artigen Laut klingen läßt, vergl. das niederländische muijen das aus muiden ent standen ist oder unser rojen = rudern (mit tel nie der deutsch roeden und roeijen) und das ostfriesische rojen = roden, moje = müde etc. etc. Der Form nach würde also der Able i tung geien-gaien-gaden nichts im Wege stehen und die Bedeutung steht ihr erst recht nicht entgegen.  —  Die Able i tung von Geiktau, Geichel etc. etc. s. unter Giek.
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