Havarie

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
die, = Seeschaden an Schiff und Ladung, (oft auch übertragen und scherzhaft gebraucht, so daß z. B. ein Seemann zu einem kleinen Mädchen de en Puppe entzwei ging, sagen kann: „Du hast wohl mit deiner Puppe Havarie gehabt‟). Die Erklärung wird für die Engländer ziemlich schwierig weil zwei Wörter in einander spielen, die schwer a use in an der zu halten sind, average im Sinne von Havarie und average im Sinne von Abschätzung, Durchschnitt, Verteilung; doch das ist ihre Sache. Für uns ist die Erklärung einfacher, wiewohl auch hier viel mit der Stange im Nebel herumgefahren worden ist. So ist z. B. (sie he „Bremer Wörterbuch‟) behauptet worden, es käme von averig, übrig, sei also das dem Kapitän überher bewilligte Geld, Zugabe, so daß für Havarie schließlich der Begriff Trinkgeld herauskäme. („Anno 1405 wurd dat Rahthues to Bremen gebuwet, do idt fullenbracht, gaff de Raht den Arbeiderluden averich tom besten 2 Schinken‟).  —  Aber auch die Able i tung von Hafen, so daß Havarie ursprünglich Hafengeld wäre, erregt Bedenken. Wohl hat in den roman is chen Sprachen das Wort diese Bedeutung, dazu auch noch die von Ausgangszoll, aber da das Nie der deutsche sie nicht kennt, so ist schon aus diesem Grunde diese Erklärung durch Dietz mit Recht abgelehnt worden. Das Richtige wird sein, daß es von dem arabis chen awar kommt, „gebrochen‟, auf Waren bezogen: Beschädigung. Wahrscheinlich kam das Wort mit dem Handel nach it alien is chen Seestädten und wurde da romanisiert; italienisch und portugiesisch avaria, spanisch averia und haberia, französisch avarie, niederländisch avary, havary, alles = Schaden an Schiff und (oder) Ladung. Über das Hinzukommen des h spricht sich Wilmanns, Deutsche Grammatik I 72 aus. Nachdem er von dem Wegfallen des h gesprochen hat, sagt er: „Hinzugefügt ist h in he is chen, althochdeutsch eiscôn (wohl unter dem Einfluß von heißen), vielleicht in heikel, ferner in einigen mun dart lichen Wörtern und in den fremden Hartschier (it. arsiero), Hawarie (frz. avarie, it. avaria). In anderen wie Hoboë (frz. hautbois), Harpune (ndl. harpoen, frz. harp on), Harlekin (früher frz. harlegin, jetzt arlequin) ist das stum me Zeichen zum Laut erhoben.‟ Wobei zu bemerken ist, daß das h in havarie doch am Ende im Gedanken an Hafen sich festgesetzt hat.  —  Havarie gro e oft auch bloß Gro e genannt, ist eigentlich nur „beträchtliche‟ Havarie, hat sich aber zu einem bestimmten seer echt lichen Begriff herausgebildet. Wenn es aber heißt mettre de l'argent à la gro e, so hat das mit Havarie gro e nichts zu tun, sondern es ist dabei zu ergänzen (à la gro e) avanture, d. h. Geld auf Bodmerei geben.  —  Schon Kilian hat das Wort in beiden Gestalten des Niederländischen: haverye und averye = jactura sive damnum in mar i.
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