entern
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 3
ein feindliches Schiff in der Seeschlacht mit Enter dreg gen (s. Dragge) an sich ziehen um da elbe zu ersteigen und zu erobern; dabei wurde eine säbelartige Waffe geschwungen, die in der Marine noch als „ Enter mes ser ‟ bekannt ist. Vom span is chen entrar, lateinisch intrare, hineingehen, welches bereits auch die Bedeutung eindringen, hineindringen, angreifen hatte, die unserm entern eigen ist. Das englische to enter wird in den allerverschiedensten Bedeutungen auch seemännisch gebraucht, to enter into a harbour, to enter a ship at the custom-house, aber nicht im Sinne von entern, das heißt board = „to go on board a ve el; specifically, to enter a ve el by force in combat.‟ Das Gleiche gilt für das Französische; da kommt entrer oft genug vor, unser entern aber heißt a border, und das Subs tanti vum abordage, zugleich ein Übersegeln, Rammen. Kilianus kennt das Wort noch nicht, er hat wohl ein endteren, aber das bedeutet bei ihm „schnattern wie eine Ente.‟ Auch Leon hard Frohnsperger 1565 gebraucht das Wort nicht an einer Stelle, wo er es hätte gebrauchen mü en, wenn es ihm bekannt gewesen wäre, und es wäre doch gerade bei ihm am ehesten zu vermuten, da er unter Carl V. gedient hat und mit seiner ganzen Seem anns chaft stark dem Span is chen zuneigt; vergl. das Kapitel seines berühmten Buches „Von Kay ser lichen Kriegßrechten etc. etc.‟: „Von dem Meer, See, Schiff oder Wa er krigen, fahren und ziehen, sampt dero nottürftigen gebräuch, an Kriegßvolck zu Roß und Fuß, Geschütz und Munition, in lust, schimpff oder ernst, gegen Freunden oder Feinden, zu halten und zu gebrauchen.‟ MDLXV Kluge: „seit Stielers Zeitungslust 1695 verzeichnet; schon bei Chyträus Kap. 36 bezeugt.‟ In der bisher behandelten Bedeutung ist aber das Wort angesichts der neuzeitlichen artillerist is chen Seekriegsführung so gut wie veraltet, da wohl kaum je mehr ein Schiff wird geentert werden. Desto mehr Bedeutung hat aber das Wort und wird es behalten in einem anderen Sinne. In Anlehnung an den Begriff hinüberk lettern, hinaufklettern, der in Entern liegt, hat man durchgängig in der Seemann prache das Wort entern für „klettern‟ in Gebrauch genommen, und zwar nicht nur für das Hinaufsteigen, was ja dem eigentlichen Sinne noch entsprechen würde, sondern auch für das demselben entsprechende Wiederhinabsteigen: aufentern, niederentern. Kommandos: „enter auf!‟ „enter nieder!‟ — Im „Durchläuchtigsten Seehelden‟ 1681 wird das Wort entern im eigentlichen Sinne gebraucht: „Als sie (Admiral Heyn und seine Leute) auf die Span is chen ankamen, wollten diese sich zur Wehr stellen, aber nach dem ein paar mal die Musqueten auf sie gelöset wurden, entfiel ihnen der Mut. Als sie an den Boord kamen, funden sie kein Mittel wegen der Höhe der Schiffe hinauf zu kommen und zu entern . Ohngefehr hieng ein Schiff-Seil herauß, woran ein Matrose hinauf stieg, und da er droben war, rund herum nach Seilen und Stricken suchte, solche feste zu machen, und den andern, so darunter waren, zuzuwerffen, welches sie mit guter Gemächlichkeit täten, daß die Spanier zusahen, und gantz keine gegen Wehr darwider täten. Als nun inzwischen die andern Schiffe enter ten, riefen die Teutschen Buen guerra, gut Quartier, darauf die Spanier alle hinunter lieffen.‟ Doch vermeidet da elbe Buch an anderer Stelle das Wort entern, wo man es erwarten sollte. „Hierauf fuhren sie fort, den Caca fuego zu verfolgen, und versprach Drack dem ersten, der da elbige ersehen wurde, eine guldene Ketten zum Boten-Brod. Nun geschah, daß Johann Drak eins hinauf stiege, und ohngefehr umb drey Uhr nach Mittags, da elbige ins Gesicht bekam, umb sechs Uhr waren sie schon darbey, da nun Drak ihnen drey Schü e gegeben und ihre Segel-Stange herunter gesto en, legte er ihnen an Bord, und sein Volck sprang hinein und funden allda einen großen Reichtum‟...
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