Fock

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
die, das unterste große viereckige Segel an dem nach ihm benannten Fockmast , entsprechend dem Großsegel am Großmast. War früher dreieckig, was schon daraus hervorgeht, daß es ein viereckiges Segel gibt, das Breitfock heißt; das kann nur Sinn haben, wenn die eigentliche Fock schmal d. h. dreieckig war, wofür auch der Name der Fock in den roman is chen Sprachen zeugt, italienisch trincheto, portugiesisch traquete, spanisch trinquete, (das englische trinket ist zwar gleicher Herkunft, bedeutet aber ein and eres Segel, eins das jetzt noch dreieckig ist, ein Topsegel) vom late in is chen triquetrus, dreieckig; französisch trinquet, Fockmast, also Mast der dreieckige Segel trägt. Es heißt aber auch mât de miséne, von miséne = Fock. Daher hat Aubin (1702) bei der Übersetzung der holländischen Wörter breefock und stagfock das Wort fock beibehalten und foques de miséne gesagt. Er rechtfertigt das mit folgenden Worten: „Comme on ne sait point quel nom ont en François ces deux voiles qu'on voit, en Hollande, aux galiotes, et à diverses sortes de petits bâtimens, on prend la liberté de leur donner celuici, qui peut a ez leur convénir, si en éfet il n'y en avo it point encore d'autres; et s'il y en a d'autres on sera obligé à ceux qui voudront les aprendre. Cependant on ne voit pas qu'on pui e se dispenser de parler de ces sortes de voiles. Elles servent toutes deux tour-â-tour, sel on le vent, et jamais ensemble. C'est le mât où est la grande voile, qui les soutient au i: elles sont par-devant vis-â-vis de la foque de beaupré. Celle qui s'apelle Bree-fok, est une voile quarée qui sert quand on a vent arriére, ou vent largue; et quand on va à la bouline („beim Winde‟) on l'ôte, et on lui substitue l'autre voile, apellée Stag-fok, qui est à tiers point, et fort pointue par le haut.‟ Unzweifelhaft ist also das Wort niederländisch-nie der deutsch, und an der Nordsee haben wir nach dem Etymon zu suchen. Nun kennt schon Kilian ein focke = minimum velum ad proram, also Stagfock, auch ein breede focke, aber auch ein Zeitwort focken = velefico. Focken hieß also schon damals ganz einfach „segeln‟, wie es heute noch in Holland heißt. Ganz im Allgemeinen aber hat das mit tel nie der deutsche focken den Sinn von ziehen , aufziehen. Die Fock ist also ein Ziehding , wobei es wenig ausmacht, ob sie gezogen wird oder zieht. Das Nächstliegende ist wohl, daran zu denken, daß sie aufgezogen wird, so daß also die Stagfock das Ursprüngliche und Namengebende wäre. Da man inde en hinten (im Boot) einen Treiber hat, warum soll man nicht vorne im Schiff einen Zieher haben? Es wäre dann also die (Stag-)Fock als das vorderste Segel als das Schiff hinter sich herziehend gedacht. —  So sehr hat das nie der deutsche focken alle Bedeutungen von ziehen, daß das Wort auch für „es zieht,‟ „es ist Zug,‟ „Zugluft‟ gebraucht wird, selbst wenn der Zug sich zum Sturm verstärkt; dänisch fyge, in einem Schneesturm treiben, schwedisch fog a, vom Winde gejagt werden, isländisch fok, Schneesturm; mittelhochdeutsch foche, Windfegemühle, fochen, das Getreide durch den Wind derselben von der Spreu sondern; dialektisch focher = Blasebalg; neuhochdeutsch fauchen; beim Teuthonista vocken = wehen.  —  Nie der deutsch heißt Focke ein Ort, wo es zieht, ein Platz der dem Winde sehr ausgesetzt ist.  —  Auch „von dannen ziehen‟ heißt das Wort im Mittelniederdeutschen. Im „Reinke de Vos‟ sucht der Fuchs den Wolf zu überreden, ihn frei zu la en. Der antwortet ihm aber: Seemann prache, By Goedel, Gustav Og, wo sholdestu mi dänne fokken, Lete ik di los mid sodaneme lokken.  — Auch ziehen im Sinne von erziehen und aufziehen heißt focken; in Ostfriesland wird es sowohl vom Aufziehen eines Menschen als auch eines Tieres, also für erziehen und züchten, gebraucht; fokkere, Züchterei, Viehhof, fokker, Erzieher, Züchter; doch ist zu bemerken, daß das Wort focker im Sinne von reicher Mann, Geizhals nicht von unserem focken stammt, sondern eine nie der deutsche Form für den Familiennamen Fugger ist, die schon Kilian gebraucht hat für Alleinhändler, Monopolist, monopola, ja er sagt sogar „pantopola vulgo fuggerus‟; fokerye = monopolium.  —  Und dam it ja keine Bedeutung von „ziehen‟ fehle, so heißt mit tel nie der deutsch focken sogar „jemanden aufziehen‟ in der Bedeutung von foppen.
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