Schauermann
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
der, Mehrzahl: die Schauerleute, ist ein beim Löschen und Laden beschäftigter Mann, der zwar mit dem Schiff und seinen Räumen bekannt sein muß, im Übrigen aber kein Seemann ist oder zu sein braucht. In Groningen werden so genannt „personen die hun brood verdienen met schepen langs het Reitdiep te trekken‟. Der in der Stadt Norden wohnhaft gewesene Doornkaat bemerkt zu dem Worte sjauerman: „ein früher vom hiesigen Magistrat angestellter Hafenarbeiter, der die Schiffe ausund be laden mußte und die Waren aufs Lager zu bringen hatte und zwar gegen eine feste Vergütung, wie sie in der hiesigen Sjauermans-Ordnung bestimmt war.‟ Niederländisch hießen der glei chen arbeiders (Aubin 1702) siuuwers, chiuwers, tsiuuwers. Weil and: „sjouw een last die zwaar valt om te dragen‟, die man darum ziehen, schlep pen muß. Man kann das Wort also füglich mit Lastträger oder vielmehr Lastzieher wiedergeben, denn sjauen ist die niederländisch-ostfriesische Form für das althochdeutsche zawjan, mittelhochdeutsch zouwen, aus dem go this chen taujau, aus einer Wurzel tu, du, die eine Bewegung andeutet. Es ist also anzunehmen daß die Form tsjauen aus tauen verschoben ist. Das Nie der deutsche macht sonst freilich die Verschiebung des go this chen t zu ts, z, für gewöhnlich nicht mit und hat demgemäß auch das Zeitwort tauen, englisch tow, beibehalten, es mag aber tsauen als oberdeutsches Lehnwort ins Niederländische gekommen sein, dann ist auf seinem weiteren Wege ins Nie der deutsche das ts zu sch geworden. Also tauermann — tsauerman — Schauermann: ein Mann der Lasten taut d. h. zieht, schleppt, an einem Tau vorwärts bewegt.
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