Gezeiten
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 4
die. Das Wort getide hie mit tel nie der deutsch 1. ganz allgemein Zeit im Sinne eines Sam mel be griffes, „to allen getiden,‟ in aeternum. 2. Die Zeit die eine Ebbe und eine Flut umfaßt: „in jeder etmahl (s. Etmal) vorachtert das getide 4/5 parten von ein Uhr.‟ 3. Die kanonische Horen; „dar was eyn yunck broder, de so verkeert was dat he ghene ghetyde en wolde lesen.‟ — Althochdeutsch gizit, mittelhochdeutsch gezit = Zeit, hora, Gebet tunde, altsächsisch getidi, horae canonicae. Jetzt wird das Wort nur noch seemännisch und zwar hydrographisch-a str ono misch-meteorologisch gebraucht als Gesamtbezeichnung, als zus am men fas sender Allgemeinbegriff für Ebbe und Flut und was dam it in Verb in dung steht; Gezeitenberechnung, Gezeitentafeln etc. etc. s. a. Tide. — Breusing: „Es ist unter unseren Geographen die Meinung verbreitet, als ob das hochdeutsche Wort Gezeit von He in rich Berghaus erfunden, jedenfalls zuerst gebraucht sei. Das ist irrig; es tritt bereits im 16. Jahrhundert auf. Zuerst ist es mir begegnet in Guicciardini: Beschreibung der Niederlande; Frankfurt, 1582, fol. pag. 17 ff. Dann im 17. Jahrhundert in: Amerika durch Ziegler, bei de Bry; Frankfurt, 1617, fol. pag. 350. Im 18. Jahrhundert findet es sich in Krünitz' Encyklopädie, s. v. 18. Thl. 1779. Letzterer hat bereits die Gezeit, während Ziegler noch dem ndd. das getide entsprechend das Gezeit hat. Ich verste he nicht, weshalb man sich von manchen Seiten gegen den Gebrauch des guten hochdeutschen Wortes sträubt, und möchte lieber sehen, da sich unsere geo graph is chen Lehrbücher endlich einmal von dem Worte Nippfluten, engl. neaptides, lo agten, welches kein deutscher Seemann und Küstenbewohner, wenn er nicht englisch kann, versteht, geschweige denn gebraucht,‟ s. Nipfluth.
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