Reede

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
die, ist ein Ankerplatz für Schiffe im Gegensatz zu Hafen. Ein niederdeutsches Wort, das als Rhede und Rede Ende des 17. Jahrhunderts ins Hochdeutsche drang. Wie sich aus dem Folgenden ergeben wird, ist für die Schreibweise Rhede gar kein Grund vorhanden. Man könnte ruhig Rede schreiben, da das e ohnehin lang gesprochen werden muß, und nur um es von Rede = Sprache zu unterscheiden, empfiehlt es sich, die Schreibweise Reede zu bevorzugen. Das Wort lautet französisch rade, spanisch, portugiesisch und italienisch rad a, ist aber deutschen Ursprungs. Wir mü en auf das Go this che zurückgehen. Da heißt garaiths angeordnet, garaidjan bere it machen, zubereiten, mittelhochdeutsch gereite fertig machen. Und zwar liegt dem Worte ursprünglich der Begriff des Reitens zu Grunde; „bere it‟ ist aber der, der fertig ist aufs Pferd zu steigen, wie der fertig (fährtig) ist, der bere it ist, auf den Wagen, auf dem er fahren will, zu steigen. Althochdeutsch reiten, reiden = bere it machen. Mit tel nie der deutsch rede = fertig. Nach einer Urkunde im Archiv zu Bremen entschuldigt sich Enno Edzardisna, hovetling in der Greet, (Häuptling zu Greetsiel) bei Bremen, daß er den Verb und brief noch nicht geschickt habe, „wente de inseghel des mene landes een dele nycht al rede synt.‟ Die älteste deutsche Form für Rede ist reyde, reide, rede; diese drei kommen bereits 1400 im „Seebuch‟ vor. Gewöhnlich aber reyde in den meisten niederdeutschen Urkunden. Dem entsprechend spricht ein kaiser liches Reskript vom 2. März 1634 von Bremischem „Convoy-, Tonnen-, Baken-, Hafen-, Reyder-, Con sum tions und Schreibgeld.‟ Dieses Reydergeld nennt der aus Mit tel deutschland stammende olden burg is che Chronist Hamelmann 1598 Reutergeld. „Aber de en ungeachtet haben die von Bremen im Jahr 85 wieder solchen vertrag angefangen Reuterund Tonnengeldt und der glei chen von den Schiffen zu nehmen‟... Allmählich aber ist der Diphthong ei geschwunden und hat dem einfachen e Platz gemacht. Derselbe Vorgang hat sich mit dem niederdeutschen Eigenschaftsworte reide abgespielt; es wird zunächst rede und dann des Öfteren durch Schwund des d, wie slee von slede, kurz ree, wie ja auf Handel chiffen der Befehl: „Klar zum Manöver‟ einfach ree! heißt. Von diesem rede = bere it hat Reede den Namen. In einem alten Str als under Vocabularium heißt es: „reyde het de stede vor de hauene, dar man en schip reydet, rede makt to segelende.‟ Das ist ungefähr, aber doch nicht ganz richtig. Nicht darum heißt der Ankerplatz Reede, weil das Schiff da rede gemacht wird, sondern weil es bereits rede ist, wenn es diesen Platz aufsucht; weil es nicht eher auf Rede geht, als bis es rede ist. Erst wenn es im Hafen völlig auf get a kelt, bemannt, geladen, ausgerüstet ist, kann es hinaus auf die Reede, bere it Anker auf zu gehen sobald der Befehl dazu ergeht und der Wind dazu günstig ist. Die meisten Reeden würden sich gar nicht zum Ausrüsten und Laden eines Schiffes eignen.  — In der Marine-Rundschau 1892 ist der Versuch gemacht, Reede auf umgekehrtem Wege zu erklären, so daß Reede  —  englisch road  —  als Weg zum Reiten, zum Fahren für Schiffe das ursprünglichere wäre und das Eigenschaftswort rede eben davon käme, daß das Schiff, das auf der Reede liegt, rede ist. Das bedeutet aber einen großen Umweg, den man um so mehr sparen kann, als die Sache auch so zuletzt doch auf da elbe, nämlich auf den aus „reiten‟ entstandenen Begriff „bere it‟ hinauskommt. —  Das Wort hat reiche Beziehungen im Roman is chen. Außer dem erwähnten rad a finden wir im It alien is chen arredo, spanisch arreo, portugiesisch arreio, altfranzösisch arroi = Zurüstung, Putz, Geräte; italienisch arredare zurüsten, corredo, altfranzösisch conroi, Ausrüstung. Alles vom go this chen raidjan. Dazu auch französisch agrès Takelwerk, agréer auftakeln; altfranzösisch agrei überhaupt Ausrüstung, Vorrat; wofür der Teuthonista schyp gereytscap hat; mit tel nie der deutsch bei Kilian gereide. So sehr lag in dem Worte der Begriff Bere its chaft, daß man ein Testament selgerede, Bere its chaft der Seele zum Sterben nannte.  —  „Auf die Reede gehen‟ heißt auf der Reede zu Anker gehen. Deshalb sagt 1588 Waghenaer anstatt ankern „Reede machen.‟ „Daer leyt een banck buyten Iutlandt von Dodenbarch een myl inde Zee ghenaemt Reefhoren, streckende west ten zuyden wel acht mylen lanck, is tot sommighe plaetsen niet dieper dan dry vadem, daermen tot sommighe plaetsen door zeylen ende rede maken mach voor eenen noordtwesten ende norden wind.‟
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