mustern

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 6
heißt jemanden oder etwas daraufhin ansehen, ob er oder es sich in dem Zustande befindet in dem er oder es sich befinden soll, also zusehen, ob er oder es dem Muster gemäß, muster haft ist. Auf unseren Krieg chiffen ist Musterung schlechthin die tägliche Musterung der Mannschaft und des Schiffes durch den Kommandanten, welche als „Sonntagsmusterung‟ be sonders feierlich und gründlich vor genom men wird. Es gibt aber auch besondere Musterungen: Reinlichkeits-, Zeug-, Gewehretc. Musterung. Im Teuthonista heißt das Wort noch monsteren, und so kann man es auch heute noch seemännisch und überhaupt nie der deutsch hören. In dieser Form läßt es seine Abstammung von mon str are zeigen, deutlicher erkennen. Doch hat das Wort eine wesentliche Bedeutungsverschiebung erlitten, denn eigentlich ist es der Mann der mustert, nämlich sich seinem Kommandanten zeigt, aber jetzt heißt es: „Der Kommandant mustert den Mann.‟ Die Verschiebung hat sich wohl über das Subs tanti vum Musterung bewegt, indem diese die Veranstaltung ist, bei der die Matrosen sich zeigen, bei der sie also besehen werden, und dieses „Besehen‟ ist dann als das Wichtigste in den Vordergrund getreten.  —  „Er läßt sich an must ern‟, sagt man, wenn einer sich zum Eintritt in einen Dienst vorstellt, „zeigt‟; er wird dann in die Musterrolle eingetragen. Dem entsprechend ist dann abmustern, aus dem Dienst treten, gebildet, ohne daß der Begriff mon str are überhaupt noch in Betracht käme, der aber in dem kaufmännischen Muster und in Monstrum noch zu erkennen ist.
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