Spriet

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
das, eine Stange, Spiere, ein Baum; die Stange die diagonal ein sogenanntes Sprietsegel au pannt und der schräg liegende Baum, der als Mast angesehen werden kann und, weil er am Bug hinausragt, Bugspriet heißt.  —  Es kommen in Spriet zwei Be griffe zusammen. An sich bedeutet es, als von sprießen stammend, als etwas Gespro enes, einen Baum, eine Stange, einen Stab oder Stecken; Kilian: spriet = baculus pastoral is, angelsächsisch spreot = Stange, Pfahl, Spieß; nie der deutsch spret. „Als der Schwedenkönig Erich die Schlacht bei Fyriswall gegen Styrbiörn schlagen sollte, opferte Styrbiörn dem Thor, aber Erich dem Odin, weihte sich ihm und bestimmte die Frist seines Todes auf zehn Winter. Da sah er einen großen Mann mit breitem Hute, der gab ihm seinen Rohrstengel (reyrsproti) in die Hand, ihn über das feindliche Heer mit den Worten zu schießen: „Odin hat euch alle!‟ Als das geschah, erschien ein Wurfspeer in der Luft, flog über Styrbiörns Schlachtreihen und schlug sein Kriegsvolk wie ihn selbst mit Blind he it.‟ (Simrock, Myth. 176)  —  Sodann aber spielt, weil, wie erwähnt, ein Spriet bei manchen Segeln zum Au pannen gebraucht wird, auch der Begriff spreizen dazwischen. Man kann die Be griffe aber so a use in an der halten, daß man sagt: bei Bugspriet steht der von Baum, bei Spriet der von spreizen im Vordergrunde; beide aber stammen von der german is chen Wurzel sprut, emporwachsen; mittelhochdeutsch spriezen; angelsächsisch sprutan, englisch sprit; niederländisch spruiten.
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