Lik
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 5
Liek , das. Das Tau, mit dem ein Segel eingefaßt ist. Bei einem Rahsegel unterscheidet man viererlei Lieke: Das Rahliek oben, das Unterliek und die beiden stehenden Lieke rechts und links. — Unser deutsches Wort „gleich‟ best and ursprünglich aus der Vorsilbe ga und lika. Lika heißt Körper. Unser „Leiche‟ hatte nämlich noch im Mittelhochdeutschen nicht die Bedeutung „toter Leib‟ sondern galt auch für den lebendigen Leib, für die Körpergestalt, (so wie stinken früher eine vox media war und auch von Rosen und Veilchen und der köstlichen Nardensalbe der Maria zu Bethanien gesagt wurde). Wir sprechen aber täglich unzählige Male ahnungslos das Wort aus in dem Suffix = lich; männlich ist einer der die Gestalt, Form und Art eines Mannes hat; königlich ist einer der die Haltung und Gestaltung eines Königs besitzt, gleich einem Könige ist. Im Niederländischen und überhaupt im Niederdeutschen hat sich g nicht eingebürgert, da hält man sich mit der Vorsilbe auch in ihrer abgekürzten Gestalt nicht auf, sondern sagt liek, wie denn in Ostfriesland in früheren Zeiten eine politische Partei liekedeler hießen, Gleichteiler. — In der Bedeutung Gestalt hat sich dieses Wort allein im Seemännischen erhalten, denn unser Liek ist ja das Tau, das die Umri e der Gestalt des Segels genau darstellt. Eine beachtungswerte Verwendung hat unser Liek im Französischen gefunden in dem Worte ralingue, aus Rahliek ent standen. Das -liek hatte man aber nicht in seinem Werte erkannt, sondern für eine Art Endung gehalten, etwa für die nie der deutsche Endung -ing, und so wurde ralingue aus einem Worte, das eigentlich ralique hätte werden mü en.
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