Spill
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
das, ist die Vor rich tung zum Anker lich ten und auch zum Hi en sons tiger be sonders schwerer Lasten. Die Ketten oder die Taue, an denen die Last gehißt werden soll, werden um das Spill genommen und dann wird dieses gedreht, so daß sich die Kette oder das Tau auf oder um das Spill wickelt. Auf großen Schiffen hat man ein Dampfspill, wenigstens wenn sie einigermaßen der Neuzeit entsprechen; auf älteren ein Gang spill, auf den alten, kleinen ein Brats pill oder eine Windas (s. d.). Spill ist Zusammenziehung von Spindel. Und zwar ist Brats pill eine liegende Spindel, die wie ein Bratspieß gedreht wird; Dampfspill eine stehende Spindel von starkem Bau; des glei chen das Gang spill, das gedreht wird, indem man Spill spa ken in die Öffnungen steckt, mit denen die Matrosen in die Runde gehen. — Ein eigentümliches Schicksal hat das roman is che Wort für Spill gehabt. Es heißt englisch capstan, französisch cabestan, aus dem Span is chen stammend, wo es cab rest ante heißt. Man hatte ursprünglich einen Bock (cabron) zum Winden mit einer liegenden Spindel, die cabria hieß. Als man dieses Werkzeug verbe erte und die cabria aufrecht stellte, nannte man sie cab rest ante, stehende Winde. Soweit wäre die Sache in Ordnung. Aber die Niederländer brachten sie in Verwirrung. Schon bei Kilian ist ein capestant daraus geworden, und 1702 heißt das Spill kaapsta-ander, und daraus machten die Deutschen einen Kopfständer. Doch hatte schon vorher im Mittelniederdeutschen eine andere Verdunkelung stattgefunden, und zwar in kapstange. In einer Livländischen Urkunde vom Jahre 1407 wird als Merkzeichen eines verschollenen Schiffes angegeben: „unde de kapstange si boven spitz und beneden, dar id touwe umme geit, gelike dicke.‟ — Zu dieser Stelle bemerkt freilich Breusing im sechsten (Nachtrags-) Bande zu Schiller und Lübben S. 176: „Kapstange kann schwerlich capstan sein, da dieses (ein Gang spill) oben gerade einen dicken Kopf hat, weshalb es auch Kopfständer verdeutscht wird. Es wird Signalstange bedeuten, vergl. kapinge. Die wird oben spitz, und unten, wo sie mit Tauen befestigt wird, gleich dick sein.‟ Ich kann dem nicht be is tim men. Wie soll das verschollene Schiff zu einer Signalstange gekommen sein? Kapinge, das zum Vergleich herangezogen wird, heißt überdies Bake, wie die Bremer Urkunde von 1400 besagt: „ok moghen de Bremere kennynge weten onde kapinge setten edder tunnen legghen oppe den Mellem (Mellum, Sandbank, „Plate‟ vor der Weser) ofte op dat rode zand.‟ An Bord führt man keine Baken mit sich. Und wenn das Spill auch allerdings für gewöhnlich einen dicken Kopf hat, so wird eben als be son deres Kennzeichen jenes verschollenen Schiffes angegeben, daß sein Spill oben spitz war. Es hatte also, was andere nicht hatten, oben auf dem dicken Teile noch irgend eine spitz zulaufende Verzierung.
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