Loten
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 6
die Tiefe des Wa ers mit dem Lot me en, sei es mit dem Handlot, sei es mit dem „großen‟ oder Tieflot. Ersteres ist die häufigere Art, namentlich beim Einfahren in einen Hafen oder beim Ausfahren aus demselben üblich, wobei der lotende Matrose die gelotete Tiefe in Metern au ingt: „grade — das a sehr lang — fünfzehn! (wobei dann genügsame Gemüter immer wieder mit dem Scherze kommen, fünfzehn sei ja gar nicht grade) oder: „zwanzig Meter und keinen — das ei sehr lang — Grund!‟ — Die Zahl der Meter ist an den verschiedenfarbigen in die Lotleine eingeknoteten Streifen Zeug kenntlich. — Das nie der deutsche lod heißt Blei, Lot ist also das Hochdeutsche „Senkblei‟. Die Sache selbst ist eine uralte Einrichtung, vergl. die Beschreibung des Sturmes Apostelgeschichte 27, 27 und 28; Luther hat die Stelle übersetzt: „Da aber die vierzehente Nacht kam, und wir in Adria fuhren, um die Mitternacht, wähneten die Schiffleute, sie kämen etwa an ein Land. Und sie senkten den Bleiwurf ein und funden zwanzig Klafter tief, und über ein wenig von dannen senkten sie abermal und funden funfzehn Klafter.‟ Das griechische Zeitwort für „den Bleiwurf einsenken‟ heißt bolizo, von ballo ich werfe; dem entsprechend bolis beides heißt: Wurfgeschoß und Senkblei. Es ist klar, daß Bleiwurf viel tref fender ist als Senkblei, denn das Werfen, das Schwingen und dann möglichst we it nach vorne Werfen des Bleies ist eine wesentliche Bed in gung beim Loten. — Das Seebuch (1400) nennt die Tätigkeit depen = tiefen, wie man jetzt wohl auch noch sagt: „ein Fahrwa er austiefen‟, was nicht mit ausbaggern zu verwechseln ist. — Der lotende Matrose steht außenbords, mittschiffs, auf einer Gräting und muß sich bei seiner Arbeit sehr we it nach vorne überbeugen um das Lot möglichst we it vom Schiff frei zu bekommen (hoher Schwung und weites Werfen ist Ehrensache); daher ist er mit einer Art von Schurz umgeben, der, am Schiffe befestigt, ihm Halt bietet und Lot brook heißt. Die Leine heißt Lotleine . Seemann prache, By Goedel, Gustav Es trieben Südenwinde sie in die offne See, Dem edlen Fahrtgesinde schuf es bitteres Weh, Mit tausend Leinen hätte es den Meergrund nicht gefunden, Die besten Schiffer stöhnten; allen war der Mut dahingeschwunden. Kilian hat „grond-loot, diep-loot, fun is cum plumbo, quo fundus et mar is altitudo exploratur.‟ — Es bedarf kaum der Erwähnung daß das Senkblei am Lande nicht als Lot zum Me en der Tiefe, sondern einer lotrechten Linie dient. Überhaupt spielt Lot eine große Rolle, namentlich als (Blei-)Gewicht und als (Blei-)Kugel; „jemand eene loden, blaawe of huzaren boon geven‟: bleierne, blaue oder Husarenkugel. — Italienisch heißt das Senkblei scandaglio, spanisch escandallo; loten italienisch scandagliare (vom late in is chen scandere, me en); mittellateinisch scandilia, die Spro en der Leiter, wobei daran zu denken ist, daß die Grade an der Senkschnur bemerkt waren; auch spanisch-portugiesisch sonda, französisch sonde = Senkblei, sonder die Meerestiefe me en (aus sub-undare, in das Meer tauchen), sondieren. — Waghenaer legt in seinem „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, ganz be son deres Gewicht auf fleißiges und sorgfältiges Loten. Er nennt es manchmal kurzweg „werfen‟. „Twee kenning hen buyten Heys werpt gy 45 vadem‟; manchmal auch tiefen, diepen: „Dicht by Hey ant ist diep 45 vadem, en daer binnen ist oneffen daermen qualyck diepen can.‟
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