steuern

Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 7
ein Schiff, ein Boot lenken. Altenglisch steoren; angelsächsisch steoran, stieran, styran; althochdeutsch stiuran; altfriesisch stiura, stiora, isländisch styra. Gothisch stiurjan; mittelhochdeutsch stiuren. Zur Erklärung geht man pa end von dem niederdeutschen Eigenschaftswort stur aus, das „stark‟ bedeutet, und vergleicht dazu die Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen stiuren: stützen, lenken, leiten, lindern, beschränken, Einhalt tun, mäßigen, treiben, stoßen, bedrängen, unterstützen, helfen, wozu verhelfen, versehen mit, beschenken, a us stat ten, als Abgabe ent rich ten, Steuer zahlen, Steuer auflegen, erheben. Dann leuchtet die Annahme Schades doch sehr ein, daß das althochdeutsche stiuri, stark, der Ursprung und Grund be griff von steuern sei. Ein Starker mußte das Ruder führen, ja der Stärkste wird es geführt haben in einer Zeit, wo man weder Pinne noch Rad bes aß, sondern der Steuernde saß im Heck, oder vielmehr in dem von stiuren den Namen führenden Stern , und lenkte mit dem Ruder (daher Steuerruder, stiurruodar, was damals paßte, jetzt aber nicht mehr gesagt werden kann, seemännisch auch nicht gesagt wird) fest und sicher das Fahrzeug durch Klippe und Brandung, indem er das Ruder aus freier Hand regierte.  —  Von dieser Tätigkeit des Regierens bis zu einem wirklichen Regiment war nur ein Schritt. In Zeiten wo es gilt, richtet sich der Blick aller auf den Stärksten, Mutigsten, Kühnsten. Der Stärkste am Ruder ward wie von selbst der Führer, der Herr, der Häuptling, der Herzog der anderen; er kam ans Staatsruder, an die Regierung, angelsächsisch ste or, styr; altenglisch steore; althochdeutsch stiura; wie man denn im Niederländischen noch heute jedes Regiment bestuur nennt: gemeentebestuur, huisbestuur, scheepsbestuur, staatsbestuur, stadsbestuur, ja jeden Vereinsvorstand. So erklärt sich auch Steuer als Abgabe. Zunächst freiwillige Abgabe an den Stärkeren zur Unterstützung bei seinem Aufwand für das gemeine Wesen, gegeben auf seine Bitte hin. Daraus ward dann nach und nach ein Herkommen, ein Sitte; und wie es von der bede zur sede ging, so ging es nach und nach von der sede zur wede, zum Gesetz. Daneben aber blieb das Geschenkmäßige in Au teuer und Hau teuer, wie mundartlich ein Hochzeitsgeschenk noch heute genannt wird, Geschenk ins (neue) Haus.  —  Wie die beiden Be griffe steuern und regieren zusammenhängen sieht man aus dem Teuthonista: stuyren: regieren een scheep of anderswat , oder sonst etwas; ja bereits im Beówulf finden wir styrian sowohl für lenken als auch für fests tellen, ordnen.  — Das Steuer , also das was man seemännisch jetzt Ruder nennt, die Steuervorrichtung, hieß mit tel nie der deutsch stur, stür; davon kommt die mit tel nie der deutsche, auch im nie der deutsch-seemännischen Sprachgebrauch noch vorhandene Wendung „over sture‟, rückwärts, „over stür gan‟, zunächst vom Schiff = „über den Achtersteven gehen‟, rückwärts getrieben werden, dann auch bildlich: „den Krebsgang gehen.‟
Readham'da tam maddeyi gor →