Eselshaupt
Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache · 1882 · p. 3
das. Das Verbindung tück am Kopfe des Mastes, durch das die Stänge mit dem Maste verbunden ist. Ein ziemlich sonder bares Wort. Breusing sagt: „Ich möchte glauben, daß der ursprüngliche Name Eselshuf gewesen ist, da diesem die Gestalt genau entspricht, während man für die Bezeichnung Eselshaupt gar keinen Anhalt hat.‟ Huf für Haupt zu setzen ist ein Griff, dem die Verlegenheit allzudeutlich anzusehen ist. Haupt ist auf alle Fälle festzuhalten, weil der nie der deutsche Seemann Hofd sagt und dieses Hofd auch noch in anderer Verb in dung, z. B. Dodshofd, vorkommt, wo es unzweifelhaft Haupt bedeutet. Haupt muß also stehen bleiben. Aber wenn wir uns den Esel näher betrachten, so hat er mit der Zoologie ebenso wenig zu tun wie das Schwein in Kielschwein. Es handelt sich vielmehr um die Anatomie des mensch lichen Leibes, wie Haupt schon vermuten läßt. Dem Haupt zunächst verbunden ist die Schulter, die Achsel. Dieses Wort aber lautet althochdeutsch ahsla, auch ahsel, angelsächsisch eaxl, altsächsisch ahsla, altisländisch öxl, italienisch as cell a, provençalisch ai ela, mit tel nie der deutsch a el und asle. Da liegt doch die Vermutung nahe genug, daß aus diesem A el Esel geworden ist. Das Eselshaupt stellt die Verb in dung von Kopf und Schulter dar. Durch die eine, runde Öffnung ragt die Stange gleichsam als Haupt nach oben, die andere, viereckige Öffnung sitzt als Schulter zu dem dazu gehörigen Haupte nach unten zu auf dem Maste auf. Daß die Stänge als das Haupt angesehen werden kann, wird der nicht best rei ten, der weiß, daß sie sogar einen Zopf hat (s. Topp). Beide, Haupt und Achsel, treffen zum letzten Male im Eselshaupt zusammen; daher wird dieser gewiß Eselshaupt = nie der deutsch Aselshofd sein, zumal wenn Pferd in Vergleich gezogen wird. — Daß das Wort in der Gestalt Aselshofd zur Zeit nicht nach we is bar ist, darf uns nicht beirren. Vielleicht findet es sich noch einmal. Aber wenn auch nicht, so ist dam it noch nicht bewiesen, daß es überhaupt nicht vorkam, denn, wenn es nicht ganz zufällig in irgend eine alte Urkunde geriet, wer hätte es aufschreiben sollen? Wer schreiben konnte, das waren die Mönche, und die kannten das Wort nicht oder hatten keine Ver anlas sung es aufzuschreiben. Und wer das Wort kannte, das waren die braven Seeleute, aber die konnten nicht schreiben. Wenn aber auch die Zusammensetzung Aselhofd nicht belegt werden kann, so kann doch bewiesen werden, daß die mit tel nie der deutsche Form für Achsel nicht nur Asel, sondern auch Esel hieß. Auf der Olden burg is chen Bibliothek findet sich ein altes geschriebenes Gebetbuch vom Jahre 1473, darin kommt die Stelle vor: „Bedenk, wo se up sine klenlike eselen dat sware cruce leyden.‟ — Da also Esel = Achsel und Hofd = Haupt ist, so hätte man anstatt Eselshofd getrost hochdeutsch Achselhaupt sagen dürfen. Daß man Eselshaupt vorzog, ist am Ende nicht einmal so verwunderlich, da das e in Esel eigentlich ein a sein müßte, von wegen asinus. Nie der deutsch heißt der Esel auch heute noch Äsel, und zwischen diesem und Asel ist lautlich ein sehr geringer Unterschied. Aber sachliche Bedenken geben bei solchen Wortbildungen nicht den Au chlag, sonst hätte unser deutsches Flü igkeitsmaß Oxhoft (Ochsenhaupt) auf dem Wege nach England nicht zu einem Hogshead (Schweinskopf) werden können.
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